Vermischtes

Deutlicher Kostenanstieg bei Arzneimitteln

  • Mittwoch, 14. Mai 2025
/Oleg, stock.adobe.com
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Hamburg – Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel sind in den vergangenen fünf Jahren um 34 Prozent gestiegen. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den Kostenzuwachs im Patentmarkt. Das zeigt der neue Report der DAK-Gesundheit zum Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG-Report). Demnach bleiben die Beitragseinnahmen deutlich hinter dem Ausgabenanstieg für Arzneimittel zurück.

„Trotzdem müssen Innovationsförderung und Kostendämpfung kein Widerspruch sein. Dynamische Preisabschläge, die an die Einnahmenentwicklung der GKV geknüpft sind, könnten ein wichtiger Baustein für eine langfristige Finanzierbarkeit der Arzneimittelausgaben sein“, sagte der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm bei der Vorstellung des Reports.

Die Analysen des Forschungsinstituts Vandage und der Universität Bielefeld im Rahmen des Reports verdeutlichen, dass sich die Arzneimittelausgaben auf wenige, besonders umsatzstarke Arzneimittel konzentrieren.

Danach entfielen im Jahr 2024 10,8 Prozent der Gesamtarzneimittelausgaben auf ein Prozent der umsatzstärksten patentgeschützten Arzneimittel. Ein wichtiger Grund dafür ist dem Report zufolge neben hohen Einstiegspreisen die mittlerweile gängigen Praxis der „sukzessiven Indikationserweiterungen“.

Hohe Einstiegspreise, die unter anderem durch die kleinen Patientengruppen beim Markteinstieg begründet werden, würden durch die Indikationsausweitungen schleichend auf weitere, meist deutlich größere Patientengruppen übertragen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ausgaben.

Das AMNOG habe in seiner derzeitigen Fassung auf diese Strategie keine Lösung „Die neue Regierung muss hier mit einer echten AMNOG-Reform ansetzen,“ forderte Storm.

Der Herstellerabschlag sei bislang das wirkungsvollste Instrument zur Einsparung gewesen. Die DAK schlägt daher einen dynamisierten Herstellerrabatt vor. Dazu könnte beispielsweise beim Schätzerkreis im Oktober jeden Jahres eine Überprüfung und Anpassung des Herstellerabschlags erfolgen. Basis dafür könnte die erwartete Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung sein.

Die Autorengruppe des Reports kritisiert, dass bei bestimmten forschungsintensiven Indikationen keine wirksamen Instrumente zur Begrenzung von Preisentwicklungen zur Verfügung stünden. „Hier wäre zukünftig über eine Neudefinition des Innovationsbegriffes im AMNOG nachzudenken: Nicht alles, was neu ist, ist auch eine Innovation. Und nicht alles, was einmal eine Innovation war, ist dies auch dauerhaft“, heißt es in dem Report.

Die Kasse fordert daher, regelmäßig zu überprüfen, ob der Preis früherer Nutzenbewertungen von Arzneimitteln nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren noch gerechtfertigt sei.

Wolfgang Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement an der Universität Bielefeld und Mitherausgeber des AMNOG-Reports, mahnte außerdem an, Pay-for-Performance-Modelle und eine Anpassung von Selbstbeteiligungen auf die politische Agenda zu setzen.

hil

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