Rivaroxaban patentfrei, Generika können verordnet werden

Berlin – Für den Wirkstoff Rivaroxaban ist das Patent abgelaufen. Seit dem 15. August sind Generika zu Xarelto, dem Originalpräparat, in allen Wirkstärken verfügbar und können im Rahmen von Aut-idem-Regelungen verordnet und in der Apotheke ausgehändigt werden. Darauf hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) hingewiesen.
Die Rivaroxaban-Generika sind demnach wie das Original als Filmtabletten erhältlich. In der Apotheke kann somit grundsätzlich ein Austausch stattfinden, wenn bei der Verordnung nicht „Aut idem“ angekreuzt ist. Bei einem „Aut-idem“-Kreuz wäre ein Austausch des jeweiligen Präparats in der Apotheke ausgeschlossen.
Die KV rät allerdings davon ab. „Wir empfehlen die Verordnung eines preiswerten Generikums und kein Aut-idem-Kreuz zu setzen“, schreibt die KVNO. „Bitte weisen Sie Ihre Patientinnen und Patienten bei der Verordnung darauf hin, dass sie ein wirkstoffgleiches Generikum einer anderen Firma erhalten werden.“
Die nun verfügbaren Rivaroxaban-Generika sind nach Aussagen der KVNO bis zu 70 Prozent günstiger als das Original. Einzelne Anbieter haben demnach auch Rabattverträge mit den Krankenkassen geschlossen.
Xarelto ist der KV zufolge eines von vier „Direkten Oralen Antikoagulanzien“ (DOAK), die um das Jahr 2010 auf den Markt in Deutschland gekommen sind. Die erste Indikation war demnach die Prophylaxe von Schlaganfällen beim nicht valvulären Vorhofflimmern, später die Behandlung und Prophylaxe unter anderem von Venenthrombosen.
Als Ersatz für Marcumar (Phenprocoumon) konnten sich DOAK zu den umsatzstärksten Arzneimitteln in Deutschland entwickeln. Für das ehemals patentgeschützte Rivaroxaban haben die Krankenkassen in den vergangenen zwölf Monaten bundesweit mehr als 700 Millionen Euro ausgegeben, wie der Pharmaverband Pro Generika mitteilte.
Der Verband hält Einsparungen im System der gesetzlichen Krankenversicherung von jährlich rund 500 Millionen Euro für möglich, wenn statt des Originals Generika verordnet werden. Der Pharmaverband beruft sich bei der Aussage auf Analysen des IGES-Instituts.
Einen Patentablauf in dieser Größenordnung hatte es nach Aussagen von Pro Generika zuletzt 2018 beim Rheumamittel Adalimumab gegeben.
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