Stiftung Warentest stuft zwei Drittel der Tarife der privaten Krankenversicherung als nicht empfehlenswert ein

Berlin – Bei einem Test der privaten Krankenversicherung (PKV) der Stiftung Warentest ist die Mehrheit der Tarife als nicht empfehlenswert durchgefallen. Zwei Drittel der 1.245 Tarifkombinationen sähen entweder einen zu hohen Selbstbehalt vor oder hätten auffällige Lücken bei den Leistungen, erklärte die Stiftung Warentest heute.
„Viele leisten sogar weniger als gesetzliche Krankenkassen“, sagte die Vorständin der Stiftung Warentest, Julia Bönisch.
Solche Lücken bei den durchgefallenen 861 Tarifen gibt es laut Stiftung Warentest beispielsweise oft im Bereich der Psychotherapie, der Palliativpflege, bei der Kieferorthopädie nach einem Unfall und bei digitalen Leistungen wie Ernährungs-Apps.
Es lohne sich ein genauer Vergleich: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten empfohlenen Angestelltentarif liege ein Beitragsunterschied von 400 Euro, obwohl beide mit „sehr gut“ bewertet wurden.
„Überlegen Sie sich gut, ob es immer ein Toptarif sein muss“, sagte Testleiter Julian Chudoba. Die leistungsstärksten Tarife seien zwar häufig teuer, jedoch spiegele der Preis „selten den Umfang der zusätzlich abgesicherten Gesundheitsrisiken wider“.
Auch könne sich die PKV wegen der steigenden Beiträge im Alter zur Kostenfalle entwickeln, warnten die Warentester. Zwar seien für alle Versicherten steigende Gesundheitskosten zu erwarten, sagte Chudoba – die PKV-Beiträge seien anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aber einkommensunabhängig. „Wer im Alter nicht überfordert sein möchte, muss frühzeitig anfangen zu sparen.“
Es sei für Interessierte maßgeblich gut abzuwägen, ob die Beiträge zu leisten seien, sagte Vorständin Bönisch. Als „wichtigsten Tipp“ bezeichnete sie, gut für die steigenden Beiträge vorzusorgen.
Insgesamt empfiehlt die Stiftung Warentest 384 der untersuchten 1.245 Tarifkombinationen. Die PKV sei etwas für einen „kleinen, exklusiven Kreis“, lautete Chudobas Einschätzung. Dazu gehörten etwa Beamte, die durch die staatliche Beihilfe unterstützt würden, oder Angestellte mit einem sehr guten Einkommen und entsprechenden Rücklagen für das Alter.
Die Tester verwiesen zugleich auf eine repräsentative Umfrage von Civey im Auftrag der Stiftung Warentest, nach der privat Krankenversicherte in Deutschland schneller an Arzttermine kommen: Demnach gaben 58 Prozent der Privatpatienten an, sie hätten ihren jüngsten Facharzttermin innerhalb eines Monats bekommen. Bei den Kassenpatienten waren es demnach nur 30 Prozent.
Im Dezember hatte der GKV-Spitzenverband die nächste Bundesregierung dazu aufgefordert, die Bevorzugung von Privatversicherten gegenüber Kassenpatienten bei der Terminvergabe gesetzlich zu verbieten.
Forderungen nach einem Ende der Ungleichbehandlung bei der Terminvergabe in deutschen Arztpraxen gibt es immer wieder. Sie finden sich zum Teil auch in den Wahlprogrammen der Parteien wieder. SPD und Grüne wollen zum Beispiel eine Bürgerversicherung, in die gesetzliche und privat Versicherte einzahlen.
Für die Stiftung Warentest befragte Civey den Angaben zufolge vom 10. bis 12. Januar online 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren.
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