Vermischtes

Traumaversorgung: mehr ältere Verletzte, weniger Fachkräfte

  • Mittwoch, 20. Mai 2026
Sturz Seniorin Notärztin
/Katja, stock.adobe.com

Berlin – Bis 2030 werden deutlich mehr ältere Menschen nach Unfällen behandelt werden müssen, während gleichzeitig Fachkräfte knapper werden. Das berichten die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) auf Basis einer neuen Studie zur Traumaversorgung (European Journal of Trauma and Emergency Surgery 2026, DOI: 10.1007/s00068-026-03102-x).

„Uns rollt eine Welle an Knochenbrüchen und Verletzungen entgegen, die von immer weniger Ärztinnen und Ärzten behandelt werden müssen. Damit wir auch künftig alle Patienten schnell und gut versorgen können, müssen wir die Strukturen der Traumaversorgung jetzt anpassen“, sagte der Präsident der Fachgesellschaften, Frank Hildebrand.

Mehr als die Hälfte aller Knochenbrüche betrifft nach Angaben der Fachgesellschaften inzwischen Menschen über 70 Jahre. Besonders häufig sind Verletzungen der unteren Extremitäten wie Becken- oder Schenkelhalsfrakturen.

„Wenn ein älterer Mensch stürzt, geht es oft längst nicht nur um den Knochenbruch“, erläuterte Christopher Spering, federführender Autor der Studie. Häufig träfen Verletzung, Vorerkrankungen und eine eingeschränkte Belastbarkeit zusammen. „Unsere Aufgabe ist es dann nicht nur, die Fraktur zu behandeln, sondern Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst wiederherzustellen“, so der Experte.


Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Versorgung: „Schon jetzt zeigt sich deutschlandweit die Erreichbarkeit von Traumazentren innerhalb von 30 Minuten flächendeckend lückenhaft. Diese Lücken werden aktuell größer“, so Spering.

Die DGU fordert deshalb eine verlässliche Finanzierung von rund 700 bis 800 Klinikstandorten mit unfallchirurgischer Versorgung. Nur so ließen sich kurze Wege für Menschen mit einer hohen Behandlungsqualität in spezialisierten Zentren verbinden.


Parallel verschärft sich der Fachkräftemangel: Mehr als die Hälfte der Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie ist laut den Fachgesellschaften über 50 Jahre alt. Gleichzeitig entschieden sich immer weniger junge Medizinerinnen und Mediziner für chirurgische Fächer. „Die Studie zeigt, dass wir die Zukunft der Traumaversorgung in Deutschland ganz neu denken müssen, um die notwendigen Kurskorrekturen jetzt nicht zu verpassen“, betont Spering.


Die DGU fordert dazu politische Weichenstellungen in vier Handlungsfeldern: Neben den rund 700 Standorte für die Traumaversorgung sollten zweitens Integrierte Notfallzentren, klare Triage-Systeme und digitale Erstberatung Patienten schneller in die passende Versorgung lenken.

Die strikten Grenzen zwischen ambulanter Praxis und Krankenhaus sollten drittens weiter abgebaut werden und hochspezialisierte Behandlungen viertens stärker in Zentren gebündelt werden.

„Gleichzeitig müssen Ärztinnen und Ärzte durch weniger Bürokratie, digitale Unterstützung und zusätzliche Berufsgruppen entlastet werden“, so die Forderung der Fachgesellschaft. 

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) erleidet etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland innerhalb von zwölf Monaten eine Unfallverletzung, die ärztlich versorgt werden muss, dies entspricht rund sieben Millionen Menschen.

Besonders groß ist die Unfallhäufigkeit laut einer im Journal of Health Monitoring erschienenen Auswertung bei jungen Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren mit einem Anteil von 15,1 Prozent. Bei Frauen waren neben jungen Frauen insbesondere Frauen ab 80 Jahren häufig betroffen (2026, DOI: 10.25646/13661).

Die meisten Unfälle passierten mit einem Anteil von 36 Prozent im häuslichen Umfeld. Jeweils etwa ein Viertel der letzten Unfälle entfiel auf Verkehr und Freizeit, 16 Prozent auf Arbeit oder Bildungsstätte. Bei Frauen fanden die Unfälle deutlich häufiger zu Hause statt als bei Männern.

Der häufigste Unfallmechanismus war der Statistik zufolge der Sturz: 30,4 Prozent der berichteten ärztlich behandelten Unfälle waren Sturzunfälle. Bei den ab 80-Jährigen war etwa die Hälfte der letzten Unfälle auf Stürze zurückzuführen.  

hil

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