Wie viel bin ich als Arzt wert?
Kürzlich war ich es leid: Im Kickboxtraining – ich bin darin nicht gut und habe es erst für kurze Zeit ausgeübt – machte ich die Trittkombinationen einfach falsch. Den Fuß drehte ich nicht genug beim Rückwärtstritt, die Beinstellung war verkorkst und meine gesamte Deckung war lächerlich, so meine eigene und wohl realistische Einschätzung.
Also beschloss ich, den Leiter des Kickboxvereins um Einzelunterricht zu bitten. Er sagte mir zu und nannte mir seinen Stundenlohn: 75 US-Dollar pro Stunde, recht ansehnlich. Nun ja, er war immerhin, so sagen es zumindest die überall in der Boxhalle hängenden Plakate, mehrfacher Weltmeister und kämpfte auch famos. Der Preis schien also realistisch.
Ich sagte zu und hatte meine erst Einzelstunde vor kurzem mit ihm: Fuß-, Halte, Box- und Trittübungen, was alles dazu gehörte. Gut war ich danach immer noch nicht, aber etwas besser geworden. Wir beschlossen, dass ich in drei bis vier Wochen die nächste Einzelstunde machen würde, damit ich mich außerhalb der Gruppenkurse weiter verbessern könne.
Zwei Nächte später absolvierte ich dann einen Extradienst im Krankenhaus: Aufnahme um Aufnahme, lauter medizinische Fragen und diverse Notfälle. Die zwei Piepser und die zwei Telefone, die ich trug, hörten nicht auf zu piepsen und zu klingeln.
Nach zwei Wochen erhielt ich dann die Lohnauszahlung für diesen fünfzehnstündigen Dienst und rechnete nach: Mein Stundenlohn lag höher als derjenige des Kickboxtrainers.
Was sagt das aus, in einer auf Geld fixierten Nation wie den USA? Sehr einfach: Dass meine Arbeit in ihr zumindest so viel wert ist wie die des Kickboxtrainers. Dass das US-System den Kickboxtrainer dafür honoriert, so gut in seinem Fach und so hart gearbeitet zu haben ist doch verständlich und gerecht. Wieso sollte es nicht berechtigt sein, den Arzt für all seine harte Arbeit ebenfalls angemessen zu entlohnen?
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