Ärzteschaft

Rückendeckung für Medizinstudierende

  • Freitag, 15. Mai 2026
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Hannover – Auch in diesem Jahr hat sich der 130. Deutsche Ärztetag hinter die Medizinstudierenden gestellt und deren Forderungen nach verbesserten Arbeits- und Lernbedingen während des Praktischen Jahres (PJ) bekräftigt.

„Das PJ ist der Ausbildungsabschnitt, vor dem sich die meisten fürchten, weil sie entweder ihre Miete nicht bezahlen können oder sich bei Krankheit nicht krankmelden dürfen“, erklärte heute Aljoscha Lorentz, Vizepräsident für Externes der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), den Delegierten.

Seiner Bitte um Unterstützung folgte das Ärzteparlament und forderte in einem mehrheitlich beschlossenen Antrag eine bundesweit einheitliche Vergütungsstruktur für PJ-Studierende. Die Aufwandsentschädigung müsse „fair und angemessen“ sein und unabhängig von Förderhöchstdauer oder Anrechnungsfaktoren gezahlt werden.

Schließlich würden PJ-Studierende trotz ihres Ausbildungsstatus bereits „versorgungsrelevante Aufgaben im klinischen Alltag“ übernehmen, argumentierten sie. Eine existenzsichernde Vergütung sei „unabdingbar“. Der Ärztetag verwies dabei ausdrücklich auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung, der eine bundesweit einheitliche Entschädigung mindestens in Höhe des BAföG-Höchstsatzes vorsieht.

Zugleich forderten die Delegierten deutliche Verbesserungen bei den Ausbildungsbedingungen im PJ. Dazu gehörten Mentoringprogramme, strukturierte Feedback-Mechanismen, regelmäßiger Unterricht sowie die Möglichkeit, eigenständig unter Supervision Patienten und Patientinnen zu betreuen. Auch Ärztinnen und Ärzten müsse ausreichend Zeit für Betreuung und Supervision eingeräumt werden.

Fehlzeitenregelung im Visier

Besonders kritisch setzte sich das Ärzteparlament mit der bisherigen Fehlzeitenregelung auseinander. Die derzeit geltenden 30 Fehltage berücksichtigten krankheitsbedingte Ausfälle „unzureichend“, erklärten die Delegierten. Krankheitszeiten müssten vollständig aus der Regelung herausgenommen werden.

Es müsse möglich sein, bei Krankheit „ohne schlechtes Gewissen oder Angst zu Hause zu bleiben“, ohne ein unsicheres Härtefallverfahren durchlaufen zu müssen. Krankheitstage und Urlaubstage müssten zudem künftig getrennt erfasst werden.

Mit Blick auf den zunehmenden Ärztemangel erneuerte der Ärztetag zudem seine Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen. Für die Medizinstudierenden hat eine solche Forderung dagegen momentan keine Priorität: „Uns ist eine Verbesserung der Qualität des Medizinstudiums wichtiger“, sagte Lorenz.

Die Reform der Ärztlichen Approbationsordnung, die bislang an Finanzierungsfragen scheiterte, müsse zunächst umgesetzt werden. Erst dann sollte man an ein Aufstocken der Studienplätze denken, sagte er.

Darüber hinaus sprach sich der Ärztetag für Änderungen bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen aus. Der Vorstand der Bundesärztekammer wurde beauftragt, Gespräche mit dem Medizinischen Fakultätentag über eine Weiterentwicklung der hochschuleigenen Auswahlverfahren aufzunehmen. Künftig sollten Berufsausbildungen, berufliche Tätigkeiten und anerkannte Dienste stärker und bundesweit einheitlicher berücksichtigt werden.

Die bisherige Gewichtung ist nach Ansicht der Delegierten zu stark von Abiturnoten und standardisierten Tests geprägt. Durch die Abschaffung der Wartesemester sei ein wichtiger Zugangsweg für Menschen mit beruflicher Erfahrung entfallen.

Eine stärkere Berücksichtigung praktischer Erfahrungen könne helfen, Bewerberinnen und Bewerber mit hoher Praxisorientierung und Berufsmotivation für das Studium zu gewinnen und die Studienplatzvergabe „gerechter und praxisorientierter“ zu gestalten.

Auch die medizinischen Prüfungen selbst sollten nach dem Willen des Ärztetages reformiert werden. Auf Anregung von Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg und Vorsitzender des Ausschusses für ärztliche Ausbildung und Universitätsmedizin bei der Bundesärztekammer, wurde auch dieser Antrag an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen.

Dieser wird damit beauftragt, gemeinsam mit dem Medizinischen Fakultätentag sowie dem Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) auf eine stärkere Vereinheitlichung der mündlichen Prüfungen im ersten und dritten Staatsexamen hinzuwirken. Ziel sei eine „gerechtere, transparentere und bundesweit vergleichbare Leistungsbewertung unter Wahrung der Prüfungsfreiheit“.  

Zudem forderte der Ärztetag eine stärkere Praxisorientierung im zweiten Staatsexamen. Prüfungsinhalte müssten sich stärker an der klinischen Realität orientieren, auf die „unverhältnismäßige Abfrage von randständigen Themen“ solle verzichtet werden. „Wir verzetteln uns mit Kolibri-Fragen“, sagte Thomas Carl Stiller. Seltene Krankheitsbilder und hochspezialisierte Themen würden überproportional abgefragt. „Wir brauchen mehr Praxisbezug in den Examina.“ 

ER

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