Ruf nach nationalem Aktionsplan gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die Deutsche Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) fordern gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung eine nationale Herz-Kreislauf-Strategie. Sie soll die Versorgung verbessern und die Forschung in Deutschland fördern.
„In Anbetracht der unverändert hohen Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen für unsere Patienten vergleichbar große Anstrengungen unternommen werden wie beispielsweise im Bereich der Krebsforschung und -behandlung“, sagte Stephan Baldus, Präsident der DGK.
Er kritisierte, die Bundesregierung unterstütze das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung mit „gerade einmal 13 Prozent des Betrages, der dem Deutschen Krebsforschungszentrum zur Verfügung steht“. Die Gesellschaften beschreiben in ihrem Papier konkrete Ansätze eine solche nationalen Strategie.
Wichtig sei zunächst, die Grundlagenforschung und translationale Projekte zu fördern. „Besonders software- und KI-basierte Forschungsstrategien müssen in den Fokus rücken und durch die Politik unterstützt werden – ebenso wie industrieunabhängige klinische Studien, die neueste Forschung für Patienten verfügbar machen“, so die Forderung.
Nötig seien außerdem interdisziplinäre Versorgungsnetzwerke: „Es muss nicht nur die ambulante Versorgung gestärkt werden, die viele Krankenhauseinweisungen durch frühzeitiges Eingreifen verhindern kann, sondern auch die in unserem Gesundheitssystem vorgegebenen starren Strukturen aufgebrochen werden, die im Moment die notwendige Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete erschweren“, so Baldus.
Eine wichtige Voraussetzung für effektive Versorgungsnetzwerke sei eine Initiative zur Digitalisierung der medizinischen Versorgung. „Obwohl überzeugende wissenschaftliche Evidenz für den Erfolg der Telemedizin vorliegt, wird dieses Instrument bisher nur begrenzt eingesetzt“, kritisieren die Gesellschaften.
In ihrem Papier betonen sie zudem die Bedeutung von Programmen zur Früherkennung von Risikopatienten, wie es sie bereits in anderen Bereichen gebe, beispielsweise bei der Brust- und Darmkrebsvorsorge.
„In den kommenden zehn Jahren wird die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankten voraussichtlich um 25 Prozent steigen. Die Zeit für die Umsetzung der von uns genannten Maßnahmen drängt“, so Baldus.
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