S3-Leitlinie: Neuer Therapiestandard bei metastasiertem Gebärmutterhalskrebs

Berlin – Eine neue Ausgabe der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom“ haben die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) für die Deutsche Krebsgesellschaft vorgestellt. Für die operative Therapie werden in der Leitlinie neue Empfehlungen gegeben.
Die klassische Operationstechnik beim Zervixkarzinom ist die radikale Hysterektomie. Je nach Erkrankungsstadium können dabei der Gebärmutterkörper und -hals, der obere Teil der Vagina, ein Teil des Halteapparates und die zugehörigen Lymphknoten sowie gegebenenfalls die Eierstöcke entfernt werden.
„Beim frühen Zervixkarzinom wurde mittlerweile gezeigt, dass auch die einfache Hysterektomie, bei der lediglich der Gebärmutterkörper entfernt wird, unter gewissen Voraussetzungen onkologisch sicher ist. Gleichzeitig ist hierbei die Lebensqualität der Behandelten deutlich höher, da weniger Komplikationen und Spätfolgen auftreten“, hieß es aus dem Leitlinienteam.
Ist eine radikale Hysterektomie indiziert, sollte zunächst eine Konisation stattfinden. Voraussetzung ist, dass der Tumor auf den Gebärmutterhals begrenzt und maximal vier Zentimeter groß ist sowie tumorfreie Resektionsränder möglich scheinen.
„Studien zeigen, dass eine Konisation, also die operative Entfernung eines Gewebekegels, vor einer geplanten radikalen Hysterektomie die Prognose verbessert. Zum einen können wir dadurch die Tumorbiologie besser bestimmen, zum anderen besteht ein geringeres Risiko der Tumorzellverschleppung. Wir empfehlen daher, diese Variante mit den Betroffenen zu besprechen und gemeinsam das operative Therapiekonzept festzulegen“, erläutert Tanja Fehm vom Uniklinikum Düsseldorf. Zusammen mit Matthias Beckmann vom Uniklinikum Erlangen hat sie die Leitlinienaktualisierung koordiniert.
Die Leitliniengruppe hat auch das Kapitel für das nicht kurativ behandelbare Lokalrezidiv und die Erkrankungssituation mit Fernmetastasen komplett überarbeitet. „90 Prozent der Zervixkarzinome weisen das Protein PD-L1 auf. Das ist ein gutes Ziel für Checkpoint-Inhibitoren, die das körpereigene Immunsystem wieder gegen den Tumor aktivieren“, so Beckmann.
„Als neuen Therapiestandard für Betroffene mit Rezidiv oder Metastasen empfehlen wir in der Leitlinie nun eine platin- und taxanhaltige Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab und gegebenenfalls Bevacizumab“, so der Experte.
Das Zervixkarzinom ist weltweit eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2023 rund 4.300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. In den vergangenen 30 Jahren hat das Zervixkarzinom in seiner Inzidenz stark abgenommen, vor allem durch die Einführung der gesetzlichen Früherkennung. Allerdings stagnieren die Mortalitätszahlen in den vergangenen zehn Jahren.
An der Aktualisierung der Leitlinie haben neben der DGGG und der AGO 42 weitere Fachgesellschaften und Organisationen mitgearbeitet. Finanziert wurde das Update von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.
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