Ärzteschaft

S3-Leitlinie schlägt Neustrukturierung der Tuberkuloseprävention bei Zugewanderten vor

  • Dienstag, 24. März 2026
/Tatiana Shepeleva, stock.adobe.com
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Berlin – Die Arbeitsgruppe der neuen S3-Leitlinie „Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen“ schlägt in ihrer Arbeit ein neues Vorgehen beim Tuberkulose-Screening von neu zugewanderten Menschen vor.

Die Leitlinie ist heute auf dem Leitlinienportal der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften erschienen. Sie wurde durch Mittel des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert.

„Die derzeitige nationale Strategie zur Tuberkulosekontrolle ist nicht ausreichend“, sagte die federführende Autorin, Brit Häcker, Pneumologin und ärztliche Mitarbeiterin des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose DZK. Daher schlage man eine komplette Neustrukturierung des aktuellen Vorgehens vor.

Die Leitliniengruppe weist daraufhin, dass aktuell jeder Zuwanderer per Gesetz einer Untersuchung auf Tuberkulose unterzogen werde, wenn dieser in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht ist.

„Da keinerlei Begleitumstände berücksichtigt werden, erfolgen aber einerseits viele unnötige Untersuchungen in den Gemeinschaftsunterkünften und fehlen andererseits Untersuchungsangebote für alle Menschen in anderen Unterkünften“, erklärte die Pneumologin und Tuberkuloseexpertin.

Das Leitlinienteam empfiehlt ein gezielteres Screening: Unter anderem sollte neu zugewanderten Menschen aus Ländern mit einer Tuberkuloseinzidenz von mehr als 100 pro 100.000 Einwohnern eine Untersuchung auf Tuberkulose angeboten werden.

Auch sollten neben dem Alter Risikofaktoren wie Begleit- und Vorerkrankungen, Mangelernährung oder erschwerte Fluchtumstände berücksichtigt werden, um Menschen mit dem höchsten Risiko eine zielgerichtete Untersuchung anzubieten. „Hierdurch können wir vorhandene Mittel viel effizienter und zielgerichteter einsetzen“, so Häcker.

Die Leitlinie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) beauftragt und unter der Leitung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung erstellt. Zahlreiche weitere Fachgesellschaften und Organisationen haben daran mitgewirkt.

Insgesamt erarbeitete das Leitlinienteam 38 Empfehlungen, davon sieben speziell für Kinder und Jugendliche. Zudem wurden evidenzbasierte Informationen für Betroffene sowie unterstützendes Material wie ein Anamnesebogen entwickelt.

hil

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