S3-Leitlinie zu Lichen sclerosus erschienen

Berlin – Juckende oder schmerzende Rötungen im Genitalbereich, eine Aufhellung der Genitalhaut und narbige Veränderungen der Genitalarchitektur kennzeichnen den Lichen sclerosus (LS). Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) haben jetzt die aktuelle europäische S3-Leitlinie für Deutschland angepasst.
„LS ist bei Medizinerinnen und Medizinern zu wenig bekannt. Daher ist die Therapie häufig mangelhaft“, sagte Gudula Kirtschig, Dermatologin am Medbase Gesundheitszentrum Frauenfeld in der Schweiz.
Früherkennung und Therapie seien das A und O. Zudem müsse konsequent behandelt werden, denn Folgeschäden könnten für die betroffenen Menschen massiv sein, so Kirtschig, die federführend an der europäischen und der deutschen Leitlinie beteiligt war. Zu den möglichen Komplikationen gehören sexuelle Dysfunktion und die Entwicklung anogenitaler Karzinome.
„Mit der Behandlung können wir das Fortschreiten der Krankheit stoppen und Beschwerden lindern. Allerdings soll diese möglichst früh einsetzen, um Folgen wie Vernarbungen, die Entstehung von Karzinomen aufgrund der chronischen Entzündung und Einbußen der Lebensqualität zu verhindern“, erläuterte Linn Wölber, Koordinatorin der Leitlinie und Leiterin des Dysplasiezentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Zentral bleibe eine frühzeitige Therapie mit potenten lokalen Glukokortikoiden der Klasse III oder IV. Dabei empfehlen die Expertinnen und Experten der Leitliniengruppe Glukokortikoide in Salben- anstelle von Cremes- oder Lotions-Grundlage.
Zudem können Emollientien, also feuchtigkeitsspendende und hautpflegende Substanzen, nach einer initialen Behandlung mit topischen Glukokortikoiden bei LS eine zusätzliche Linderung der Symptome bewirken.
„Wir empfehlen unseren Patientinnen und Patienten mindestens zweimal täglich Emollientien aufzutragen, um die Hautbarriere zu stärken“, ergänzte Kirtschig. Wenn der therapeutische Effekt bei Jungen und Männern nicht überzeugt, sollte die Vorhaut entfernt werden, so die Empfehlung der Leitlinie.
Das Leitlinienteam empfiehlt für die Betreuung fachübergreifende Teams. „Nach dem Vorbild interdisziplinärer Kliniken in den Niederlanden, Dänemark oder dem Vereinigten Königreich sollten auch in Deutschland Spezialistinnen und Spezialisten aus Dermatologie, Gynäkologie, Urologie, Kinderchirurgie, Physiotherapie, Psychotherapie und Sexualtherapie zusammenarbeiten“, hieß es aus der Leitliniengruppe.
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