Sachsen will Ärzte ins Land locken

Dresden – Im Kampf gegen den Ärztemangel will die Landesregierung noch größere Anreize für junge Mediziner schaffen, damit diese sich in Sachsen niederlassen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören unter anderem eine finanzielle Förderung für Studenten und eine Stärkung des Studienfachs Allgemeinmedizin. „Wir brauchen in Sachsen mehr medizinischen Nachwuchs“, sagte Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU) am Dienstag in Dresden. Der Opposition gehen die Pläne nicht weit genug.
Nach Angaben der Ministerin fehlen schon jetzt mehr als 350 Hausärzte im Freistaat – vor allem im ländlichen Raum. Damit sich dieser Trend nicht noch weiter verschärft, will das Gesundheitsministerium mit einem Bündel an Maßnahmen gegensteuern.
Ein Teil des 20 Punkte umfassenden Plans ist eine stärkere finanzielle Förderung für Studenten. So soll es ab dem Wintersemester 2013/2014 ein Sonderkontingent von 20 Studienplätzen geben, die monatlich mindestens 1.000 Euro erhalten. Bedingung dafür ist, dass sich die angehenden Mediziner verpflichten, nach dem Studium als Landarzt in eine unterversorgte Region zu gehen.
„Das ist ein Versuch, neue Wege zu beschreiten“, sagte Clauß. Dem Plan müssten allerdings erst noch die anderen Bundesländer im Rahmen des Staatsvertrags über die Vergabe von Studienplätzen zustimmen. Laut Clauß erhalten Studenten schon jetzt unter gewissen Voraussetzungen eine finanzielle Förderung. Die sei aber deutlich geringer.
Zu den Plänen gehört auch eine Stärkung des Faches Allgemeinmedizin im Studium. Die in Dresden und Leipzig geschaffenen Lehrstühle für diesen Bereich sollen dafür intensiver beworben werden. Weitere Punkte des Maßnahmenkatalogs sind eine Abschaffung der Studienplatzvergabe durch die Stiftung Hochschulzulassung sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – insbesondere für Ärztinnen. Nach Angaben von Clauß sind alle diese Pläne mittel- und langfristig angelegt.
Mehr Studienplätze
Die Sächsische Landesärztekammer sieht in dem Maßnahmenkatalog zwar einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Doch die Vorschläge seien seit fast einem Jahr überfällig, erklärte die Kammer. Zudem bezweifele sie, dass die Sonderkontingente eine Wirkung haben werden.
Neben rechtlichen und politischen Hürden gebe es das Problem, dass sich angehende Studierende in der Regel nicht schon zum Studienbeginn dazu entschieden, Allgemeinmediziner zu werden. Das Geld für dieses Programm solle besser für die Schaffung zusätzlicher Studienplätze genutzt werden, forderte die Ärztekammer.
Auch aus der Opposition kam Kritik an Clauß' Plänen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kerstin Lauterbach, bezeichnete den Maßnahmenkatalog als „verbalen Aktionismus“, der das bestehende Problem der Unterversorgung nicht löse. Der SPD-Gesundheitsexpertin Dagmar Neukirch gingen die Pläne ebenfalls nicht weit genug. „Wir benötigen mehr Investitionen“, erklärte sie. Sachsens Krankenhäuser seien „chronisch unterfinanziert“ und die Kapazitäten für Studienanfänger reichten nicht aus.
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