Medizin

Salz in Medikamenten als Herz-Kreis­lauf-Risiko

  • Mittwoch, 27. November 2013
Uploaded: 27.11.2013 13:03:44 by mis
dpa

Dundee – Der hohe Salzgehalt in einigen löslichen Medikamenten ist möglicherweise gesundheitsschädlich. Ihre Verordnung war in einer Fall-Kontrollstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f6954) mit einer siebenfach erhöhten Rate von Hypertonien assoziiert. Auch eine Verbindung zu Schlaganfällen und zu einer erhöhten Sterblichkeit wurde hergestellt.

Einige Medikamente, die als Tablette oder Puder in Wasser aufgelöst werden, haben einen erheblichen Salzgehalt. Unter den Präparaten, die Pharmakologen der Universität Dundee untersuchten, war er in einer 500 mg-Tablette Paracetamol am höchsten. Sie enthielt 18,6 mmol Natrium. Bei der erlaubten Tageshöchstmenge von 4 Gramm ergibt dies 148,8 mmol und damit mehr als die in Großbritannien empfohlene tägliche Salz­zufuhr von 104 mmol, was 2,4 Gramm entspricht.

Der hohe Salzgehalt kommt durch das Natriumbikarbonat zustande, das den Präparaten zugesetzt wird, damit sie besser sprudeln. Diese Zubereitung ist vor allem bei Schmerz­mitteln beliebt, die einige Patienten wegen chronischer Schmerzen über längere Zeit einnehmen – was möglicherweise negative Auswirkungen auf ihr kardiovaskuläres Risiko hat, wie das Team um Jacob George jetzt herausfand.

Die Forscher analysierten die Daten der Clinical Practice Research Datalink (CPRD), die die elektronischen Krankenakten von 1,2 Millionen britischer Patienten speichert. Von diesen erlitten in einem Zeitraum von 7,23 Jahren insgesamt 61.072 ein kardiovas­kuläres Ereignis (Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod), dem primären Endpunkt der Studie. Der Vergleich mit einer gleich großen Zahl von Kontrollen ergab, dass den Herzkreislaufpatienten häufiger Medikamente mit einem hohen Salzgehalt verschrieben worden waren.

Die Pharmakologen ermitteln für den primären Endpunkt eine Odds Ratio von 1,16 mit einem aufgrund der hohen Fallzahl engen 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,12 bis 1,21. Das Ergebnis ist damit statistisch signifikant. Es bedeutet, dass die regelmäßige Einnahme der salzhaltigen Medikamente mit einem um 16 Prozent erhöhten kardiovas­kulären Erkrankungsrisiko einhergeht.

Für nicht-tödliche Schlaganfälle (Odds Ratio 1,22; 1,16-1,29) und die Gesamt­sterb­lichkeit (Odds Ratio 1,28; 1,23-1,33) wurde ebenfalls eine Verbindung gefunden (nicht aber für den Herzinfarkt). Hochdruckerkrankungen traten bei den Anwendern von salzhaltigen Medikamenten sogar mehr als siebenmal häufiger auf (Odds Ratio 7,18; 6,74-7,65).

Die Forscher haben in ihren Untersuchungen eine Reihe von möglichen anderen Erklärungen berücksichtigt. Wie immer bei Fall-Kontrollstudien lässt sich aber nicht völlig ausschließen, dass andere Aspekte einer ungesunden Lebensweise nicht erfasst wurden. Sie könnten Ursache der Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, zu deren Behandlung dann Schmerzmittel notwendig sind (Reverse Kausalität).

Die klare Assoziation mit der Hypertonie macht die Ergebnisse der Studie jedoch biologisch plausibel. Eine arterielle Hypertonie ist der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies gilt insbesondere für einen Schlaganfall.

Natriumbikarbonat ist auch in zahlreichen frei verkäuflichen Medikamenten enthalten, deren Einnahme von der Studie nicht erfasst wurde. Die gelegentliche Einnahme von salzhaltigen Medikamenten dürfte harmlos sein, schreibt die British Heart Foundation. Die regelmäßige Einnahme über einen längeren Zeitraum sollte jedoch nach Ansicht von George vermieden werden. Dies ist leicht möglich, da Paracetamol und andere Schmerz­mittel auch als Tablette zur direkten Einnahme erhältlich sind.

rme

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