Schizophrenie: AQUA-Bericht zu Qualitätssicherung veröffentlicht
Göttingen – Das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH (AQUA) hat heute einen Bericht veröffentlicht, bei dem erstmals die psychiatrische Versorgung im Fokus der externen gesetzlichen Qualitätssicherung (QS) steht. Eingegangen wird in dem sektorenübergreifenden QS-Verfahren auf Patienten mit Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen.
Schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie können einen chronischen Verlauf nehmen, bei dem soziale und kognitive Funktionseinschränkungen auftreten, die die soziale Teilhalbe einschränken. Die Patienten haben daher häufig komplexe Bedarfe an psychiatrischen und auch an anderen Hilfen, wie betreutes Wohnen, Tagesstätten oder sozialpsychiatrische Dienste. „Insbesondere bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wird die Stärkung der Versorgung über Sektorengrenzen hinweg zu einer besseren Lebensqualität führen“, sagte Joachim Szecsenyi, Geschäftsführer des AQUA-Instituts.
AQUA hat 27 Indikatoren entwickelt, um die Qualität der Versorgung zu messen. Vier Erhebungsinstrumente wurden dafür herangezogen: Spezifikation für die Sozialdaten bei den Krankenkassen, stationäre fallbezogene QS-Dokumentationen sowie Befragungen in stationären und ambulanten Einrichtungen. Das Indikatorenset misst die Qualität der Versorgung im ambulanten und stationären Bereich, um sie zu verbessern. Potenziale bestehen nach Angaben des AQUA hinsichtlich der Koordination, Kooperation und Kontinuität, der Pharmakotherapie, der somatischen Versorgung sowie bezüglich Empowerment und Angehörigenbeteiligung.
Erfasst werden mit den Indikatoren auch Aspekte der psychotherapeutischen Behandlung. Auch schwerste Krankheitsverläufe im stationären Bereich einschließlich Zwangsbehandlungen werden fokussiert und Verbesserungen vorgeschlagen.
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen verlaufen überwiegend rezidivierend oder chronisch. Neben einer erhöhten Rate an Suiziden und Unfällen, birgt es auch ein erhöhtes Risiko für somatische Erkrankungen, wie Kreislauf- oder respiratorische Erkrankungen, was zu einer deutlich reduzierten Lebenserwartung führt. Hochrechnungen anhand von Routinedaten zeigten, dass im Jahr 2012 rund 729.000 Personen in Deutschland daran erkrankt waren. Das Durchschnittsalter lag bei 53,5 Jahren und 54 Prozent von ihnen waren weiblich. Über die weitere Umsetzung des Qualitätssicherungsverfahrens entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss.
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