Schlaganfall: Thrombolyse nach oraler Antikoagulation zu riskant
Chicago – US-Neurologen warnen vor einer Thrombolyse-Therapie bei Patienten, die unter der Wirkung von oralen Antikoagulanzien stehen. Laut ihrer Studie in den Archives of Neurology (2010; 67: doi:10.1001/archneurol.2010.25) ist das Risiko von Hirnblutungen auch bei einer INR von weniger als 1,7 dramatisch erhöht.
Orale Antikoagulanzien werden bei einigen Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt, um einem ischämischen Schlaganfall vorzubeugen. Wenn es dennoch zu einem Insult gekommen ist, stellen diese Medikamente ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Thrombolyse mit tPA dar. Denn die gerinnungshemmende Wirkung von Phenprocoumon oder Warfarin kann die gerinnselauflösende Wirkung von tPA in unkontrollierbarer Weise verstärken.
Von den randomisierten Studien, die den Einsatz von tPA beim ischämischen Schlaganfall begründet haben, waren Patienten, die orale Antikoagulanzien eingenommen hatten, deshalb ausgeschlossen.
In den letzten Jahren wurden die Regeln jedoch gelockert. Eine aktuelle US-Leitlinie erlaubt den Einsatz, sofern die INR (International Normalized Ratio) geringer als 1,7 ist. An der Rush Universität in Chicago haben die Neurologen schlechte Erfahrungen mit dieser Regelung gemacht: 4 von 13 Patienten (30,8 Prozent) erlitten eine symptomatische intrazerebrale Blutung, an der 2 Patienten verstarben.
Die Häufigkeit schwerer Hirnblutungen war damit zehnmal höher als in einer Vergleichsgruppe von Patienten, die vor dem Schlaganfall kein Warfarin erhalten hatten (3 von 94 Patienten oder 3,2 Prozent).
Ein möglicher Grund könnte die lange Wirkdauer der Vitamin-K-Antagonisten sein. Wenn die Patienten die letzte Tablette kurz vor dem Schlaganfall einnehmen, könnte die INR nach dem Beginn der Thrombolyse in Bereiche ansteigen, die klar kontraindiziert sind.
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