Vermischtes

Schon die alten Ägypter hatten krumme Rücken

  • Donnerstag, 27. Juni 2024
/ag visuell, stock.adobe.com
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Abusir – Langes Sitzen oder Hocken hat schon im alten Ägypten bestimmte Gelenke und Knochen sowie die gesamte Wirbelsäule deformiert. Das berichtet eine Forschungsgruppe im Fachjournal Scientific Reports (DOI: 10.1038/s41598-024-63549-z). Schulter- und Nackenschmerzen dürften Schreibern demnach sehr vertraut gewesen sein.

Das Team um Petra Brukner Havelková vom tschechischen Nationalmuseum in Prag hatte Knochen von 69 erwachsenen Männern untersucht, die zwischen 2.700 und 2.180 vor Christus in der Nekropole von Abusir in Ägypten bestattet worden waren. Dreißig der Männer waren Schriftgelehrte.

Bei ihnen fanden sich bestimmte degenerative Gelenkveränderungen häufiger als bei Männern anderer Be­rufsgruppen, etwa rechtsseitig im Schulterbereich und an der Hand sowie an der Wirbelsäule, insbesondere der Halswirbelsäule.

Aus Aufzeichnungen, Wandreliefs, Gräbern und Statuen schlossen die Forschenden zudem darauf, in welcher Haltung Schreiber damals arbeiteten: Sie saßen demnach unter anderem über längere Zeit im Schneidersitz mit nach vorne gebeugtem Kopf, gebeugter Wirbelsäule und nicht abgestützten Armen.

Veränderungen an Knien, Hüften und Knöcheln gingen mit einer teilweise knienden oder hockenden Haltung überein, erläutern die Wissenschaftler.

Gefunden wurden bei den Schreibern zudem degenerierte Kiefergelenke. Ursache sei wahrscheinlich, dass die Männer angeschrägte Binsenstängel kauten, um bürstenartige Enden zu formen, mit denen sie Hieroglyphen schreiben konnten.

Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung sei damals des Lesens und Schreibens kundig gewesen, erläuterte das Team um Brukner Havelková. Schriftgelehrte hatten demnach in der altägyptischen Gesellschaft entsprechend privilegierte Positionen in einem breiten Spektrum an Verwaltungsposten und anderen Funktionen. Auch ihre Gräber höben sich von denen anderer Menschen ab.

Einschränkend geben die Forschenden zu bedenken, dass die Häufung der Abnutzungserscheinungen zumin­dest teilweise auch auf das fortgeschrittene Alter in der Gruppe der Schreiber zurückgehen könne: Tendenziell seien sie später verstorben als Vertreter anderer Berufsgruppen.

dpa

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