Schwangerschaft erhöht Verkehrsunfallrisiko

Toronto – Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko auf einen Verkehrsunfall. Die Frauen verunglückten vor allem bei Fahrten mit dem PKW. Als Beifahrerinnen oder Fußgängerinnen waren sie einer Studie im Canadian Medical Association Journal (2014; doi: 10.1503/cmaj.131650) zufolge nicht vermehrt unfallgefährdet.
Die meisten Frauen achten während der Schwangerschaft auf ihre Gesundheit. Viele verzichten (zu Recht) auf Alkohol und Rauchen, andere machen sich (ebenfalls nicht ganz unberechtigte) Sorgen, dass Flugreisen, Sauna oder Tauchurlaube dem Ungeborenen schaden könnten. Der Straßenverkehr wird jedoch in der Regel nicht als mögliche Gefahr wahrgenommen.
Dies könnte sich durch die Untersuchung von Donald Redelmeier, Universität Toronto, und Mitarbeitern ändern, die die Daten von einer halben Million Frauen aus dem kanadischen Bundesstaat Ontario untersuchten. Die Forscher verglichen die Unfallhäufigkeit vor, während und nach der Schwangerschaft.
Dabei stellten sie ein um 42 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 32 bis 53 Prozent) erhöhtes Risiko auf einen schweren Verkehrsunfall fest. Am höchsten war die Gefahr zu Beginn des zweiten Trimenons. In der Spätschwangerschaft sank die Unfallhäufigkeit und blieb auch während des ersten Jahres nach der Geburt niedriger als in den drei Jahren vor der Schwangerschaft.
Das erhöhte Risiko war fast ausschließlich auf Unfälle mit mehreren Fahrzeugen zurückzuführen, bei denen die Schwangere hinter dem Steuer saß. Laut Redelmeier waren die meisten Unfälle vermeidbar. Es handelte sich häufiger um schwere Unfälle, bei denen häufiger eine Wiederbelebung oder eine Notfallbehandlung (Triage urgency) nötig wurde.
Die Ursache für das erhöhte Unfallrisiko können die Forscher nicht klären. Einige Frauen hatten 2007/2008 am Canadian Community Health Survey teilgenommen. Ihre Antworten dort ergaben keinen Hinweis darauf, dass die verunfallten Frauen sich im Alltagsleben durch ein erhöhtes Risikoverhalten (Rauchen, Alkoholkonsum, Spielsucht) auszeichneten. Redelmeier vermutet deshalb, dass die Unfälle tatsächlich mit der Schwangerschaft in Verbindung stehen. Die häufige Übelkeit während der Schwangerschaft, eine allgemeine größere Erschöpfung und Schlafstörungen könnten während des Fahrens zu kurzen Störungen der Aufmerksamkeit führen oder die Reaktionszeit verlängern.
In Kanada ist statistisch gesehen eine von 50 Frauen während der Schwangerschaft in einen Unfall verwickelt, berichtet Redelmeier. Der Anstieg des Unfallrisikos bedeute, dass in Ontario jedes Jahr etwa 75 Frauen zusätzlich bei Autounfällen verunglücken. Das Unfallrisiko im zweiten Trimenon komme der Gefahr gleich, die in anderen Studien für Menschen mit Schlafapnoe-Syndrom ermittelt wurden.
Die Unfälle gefährden nicht nur die Gesundheit der Mutter. Autounfälle sind laut Redelmeier die führende Ursache für fetale Todesfälle. Der Experte befürchtet, dass viele überlebende Feten lebenslange Hirnschäden erleiden.
Das erhöhte Unfallrisiko während der Schwangerschaft wurde bisher von den Fachgesellschaften nicht erkannt. Redelmeier fand weder in Nordamerika, noch in Australien oder Europa Hinweise in den Leitlinien. Der Mediziner spricht sich zwar gegen ein Fahrverbot für Schwangere aus. Die Frauen sollten sich allerdings des erhöhten Risikos bewusst sein und vorsichtig fahren.
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