Sekundärprävention nach Herzinfarkt: Leitlinien versus Realität

Düsseldorf – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) stellte im Rahmen ihrer Jahrestagung erste Ergebnisse aus dem Projekt GULLIVE-R vor. Mit GULLIVE-R soll die Sekundärprävention 9 bis 18 Monate nach einem Herzinfarkt erfasst werden.
Durch die Analyse möglicher Lücken zwischen realer Behandlung und Leitlinie sollen gezielte Kampagnen entwickelt werden, um die leitliniengerechte Therapie zu stärken.
Laut den ersten Ergebnissen konnte eine hohe Rate von Revaskularisationen, also der Wiederherstellung der Durchblutung des Herzmuskels, und auch eine gute Rate von leitliniengerechten sekundärpräventiven Maßnahmen festgestellt werden.
Bezüglich der Kenntnisse der Patienten über ihre Krankheit wurde festgestellt, dass die überwiegende Mehrheit (87,7 Prozent) sich ausreichend über die Koronare Herzkrankheit informiert fühlte, doch nur 15,7 Prozent kannten den richtigen LDL-Zielwert und 38,5 Prozent den richtigen Zielblutdruck. Und während nur 21 Prozent der Patienten ihren eigenen LDL-C-Wert kannten, nahmen 72,4 Prozent an, diese liege im gewünschten Bereich.
Den LDL-Zielwert von unter 70 mg/dl erreichten 36 Prozent der Patienten bei Studieneinschluss – allerdings nur 16 Prozent den neuen Zielwert unter 55 mg/dl. Der systolische Blutdruck lag bei 36,8 Prozent der Personen unter dem Zielwert von 130 mmHg und bei 22,8 % in der Range von 130-139 mmHg.
Die Mehrheit der Patienten maß regelmäßig selbst den Blutdruck und ein Drittel betätigte sich mindestens drei Mal 30 Minuten pro Woche sportlich. Etwa die Hälfte stellte die Ernährung um.
Weitere Ergebnisse zeigten die Diskrepanz der Risikoeinschätzung der Patienten im Vergleich zu dem tatsächlichen Risiko – bewertet anhand des TRS2P-Scores und dem von den Ärzten und Patienten geschätzten Risiko.
36,9 Prozent der Patienten und 32,1 Prozent der Ärzte schätzen das Risiko niedrig ein, während das tatsächliche Risiko bei nur 7,1 Prozent der Patienten niedrig einzuschätzen war. Als hoch schätzten das Risiko nur 7,1 Prozent der Patientinnen und 11,4 Prozent ihrer Ärzte ein. Dabei lag der tatsächliche Wert für ein hohes Risiko laut Score bei 34 Prozent.
Es zeige sich, so die DGK, dass zielgerichtete und breit angelegte Kampagnen zur Aufklärung der von koronarer Herzkrankheit betroffenen Menschen dringend notwendig seien. Ebenso gebe es Potenzial zur Verbesserung bei der Zielwerterreichung von LDL-Cholesterin und Blutdruck. Gleichzeitig müssten auch die Informationen und Ausbildungsangebote für Ärztinnen und Ärzte verbessert werden.
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