Sekundenschlaf verursacht mehr tödliche Autounfälle als Alkohol

Münster – Laut einer aktuellen Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ist jeder vierte Autofahrer schon einmal am Steuer eingenickt. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) heute hingewiesen. „Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass auf deutschen Straßen mehr als doppelt so viele Menschen infolge Sekundenschlafs als infolge Alkohols am Steuer sterben“, erklärte DGSM-Vorstandsmitglied Hans-Günter Weeß.
Besonders nach einer durchwachten Nacht, in den frühen Morgenstunden sowie in monotonen Situationen wie auf der Autobahn drohe Sekundenschlaf. Zudem wirke Schläfrigkeit beim Autofahren ähnlich wie Alkohol. Schon 17 Stunden ohne Schlaf beeinträchtigten das Reaktionsvermögen wie 0,5 Promille, 22 Stunden ohne Schlaf wie 1,0 Promille Alkohol im Blut.
Neben Schlafstörungen und Schlafmangel können aber auch körperliche Erkrankungen, Medikamentenwirkungen, klimatische Verhältnisse, Wegstrecke, Tageszeit oder Wochentag sowie die Ausstattung des Fahrzeuges den gefährlichen Sekundenschlaf verursachen. „Auf der Basis von Expertenmeinungen und vorsichtigen wissenschaftlichen Schätzungen können wir davon ausgehen, dass viele Verkehrsunfälle unter der Beteiligung von Arzneimitteln, insbesondere Psychopharmaka, stattfinden“, warnte Weeß.
Im Rahmen einer DVR-Kampagne, die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und weiteren Partnern wie der DGSM unterstützt wird, sollen Verkehrsteilnehmer für das Problem „Müdigkeit am Steuer“ sensibilisiert und Lösungs- beziehungsweise Kompensationsstrategien aufgezeigt werden.
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