Ärzteschaft

Sexuell übertragbare Erkrankungen sind ein unterschätztes Problem

  • Mittwoch, 4. September 2024
HPV Impfung
/Moschiorini, stock.adobe.com

Berlin – Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hat die Bedeutung der präventiven Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV) betont. Anlass ist der heutige Welttag der sexuellen Gesundheit.

„Eine Ansteckung mit HPV-Typen erfolgt überwiegend bei Sexualkontakten – daher bietet die HPV-Impfung den größtmöglichen Schutz, wenn sie vor Beginn der sexuellen Aktivität wahrgenommen wird“, sagte Cornelia Hösemann aus dem Vorstand des BVF. Aber auch eine Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr sei sinn­voll und empfohlen, so die Expertin.

Trotz der nachgewiesenen sehr hohen Wirksamkeit der HPV-Impfung sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lediglich 54 Prozent der Mädchen und nur 27 Prozent der Jungen im Alter von 15 Jahren vollständig geimpft. Die Gründe dafür liegen laut dem BVF in einem geringen Bewusstsein für die Risiken der HPV-Infektion für beide Geschlechter, aber auch in der oftmals schambehafteten Thematik.

„Wer zu wenig über das Risiko von sexuell übertragbaren Erkrankungen weiß, steckt sich leichter an und kann Chlamydien, Gonokokken und andere weitertragen“, betonte Kristina Böhm, Vorsitzende des Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD).

Es brauche mehr gezielte Aufklärung, die die Zielgruppen auch erreiche, zum Beispiel in der Schule oder am Arbeitsplatz. Wichtig seien auch regelmäßige Informationen über Social Media – und zwar in einer ziel­gruppengerechten Form.

Dies gelte insbesondere für die HPV-Impfung. „Wir haben mit dieser ‚Impfung gegen Krebs‘ eine großartige Möglichkeit zur Primärprävention für Mädchen und Jungen. Mit der augenblicklichen Impfrate dürfen wir uns keinesfalls zufriedengeben“, so Böhm.

Die Impfung gegen HPV (Humane Papillomviren) wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Spätestens bis zum 18. Geburtstag sollten versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden.

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) kritisiert an dem Welttag, dass die Verbrei­tung von sexuell übertragbaren Erkrankungen in vielen europäischen Ländern unklar sei.

„Diese Datenlücke erschwert es, das Ausmaß der Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten vollstän­dig zu verstehen und die Gefährdung bestimmter Bevölkerungsgruppen zu ermitteln“, heißt es in einer Mit­teilung der Behörde.

Insbesondere bestimmte Risikogruppen wie Menschen, die Drogen injizierten oder Personen aus der Sexar­beit seien nur sehr unzureichend untersucht, was die präventiven Möglichkeiten einschränke, so die Kritik.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung