Sozialverband kritisiert finanzielle Überforderung vieler pflegender Angehöriger

Berlin – Nicht nur Pflegebedürftige, auch pflegende Angehörige sind nach Angaben des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zunehmend von Armut bedroht. Um verlässliche Zahlen zu erhalten, hat der SoVD nun ein Gutachten zur pflegebedingten Armut von Frauen in Auftrag gegeben.
„Die finanzielle Überforderung treibt insbesondere pflegende Frauen in die Armut“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer. In vielen Gesprächen in den Beratungsstellen des SoVD werde die finanzielle Überforderung deutlich. „Wir sind alarmiert, denn die Zahl der pflegenden Angehörigen, die sich an uns wenden, steigt“, sagte er.
Diesen ersten Anhaltspunkten wolle man mit einem wissenschaftlichen Gutachten nachgehen und so eine verlässliche Faktengrundlage schaffen. Die Erkenntnisse sollten dazu dienen, „zielgerichtete Hilfsmaßnahmen vorzuschlagen“. Die Ergebnisse des Gutachtens würden noch in diesem Jahr erwartet.
Bauer verwies auf den hohen Einsatz, den pflegende Angehörige erbringen – oft zu Lasten ihrer Berufstätigkeit. Im Pflegereport der Barmer zu pflegenden Angehörigen gaben 85 Prozent an, die Betreuung des Pflegebedürftigen bestimme ihren Alltag. Die Hälfte der Befragten kümmert sich demnach mehr als zwölf Stunden um den Pflegebedürftigen, jeder vierte Pflegende hat seinen Beruf deswegen reduziert oder ganz aufgegeben. Befragt wurden 1.900 pflegende Angehörige.
Der SoVD-Präsident verwies auf die bisherigen pflegepolitischen Initiativen seines Verbands zur Verbesserung der Situation von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen. Als Beispiele nannte er das SoVD-Modell für eine „Solidarische Pflege-Bürgerversicherung“ und das Positionspapier „Gute Pflege braucht starke Kräfte“ zur Stärkung der Altenpflegekräfte.
Rund 2,5 Millionen Menschen pflegen in Deutschland zu Hause ihre Angehörigen, etwa 1,65 Millionen davon sind Frauen.
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