Spontanaborte: FDA prüft Sicherheit von Fluconazol

Silver Spring – Die Ergebnisse einer Kohortenstudie aus Dänemark, die die Verordnung von oralen Fluconazol-Präparaten mit einer erhöhten Rate von Spontanaborten in Verbindung gebracht hat, veranlasst die US-Arzneibehörde FDA zu einer Sicherheitsprüfung.
Fluconazol gehört zu den am häufigsten verordneten Antimykotika. Bei Schwangeren wird es oft zur Behandlung einer Vulvovaginalkandidose eingesetzt. Die Therapie ist zwar auch lokal mit topischen Präparaten möglich. Die Leitlinien raten jedoch zur Verordnung von oralen Präparaten, obwohl die Fachinformationen in Deutschland auf eine mögliche Reproduktionstoxizität hinweisen.
In Tierexperimenten kam es bei höherer Dosierung zunächst zu „anatomischen Varianten“ (überzählige Rippen, Erweiterung des Nierenbeckens), heißt es dort, und schließlich auch zu Fehlbildungen wie verkrümmte („wellenförmige“) Rippen, Gaumenspalten oder eine gestörte kraniofaziale Ossifikation. Auch beim Menschen sind kongenitale Fehlbildungen beschrieben. Der Zusammenhang mit der Anwendung von Fluconazol wird jedoch als unklar eingestuft. Eine Kontraindikation zur Anwendung der oralen Präparate in der Schwangerschaft besteht derzeit nicht.
Eine landesweite Studie, die Ditte Molgaard-Nielsen vom Statens Serum Institut in Kopenhagen kürzlich im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 58-67) veröffentlicht hat, stellt diese Einschätzung jedoch infrage. Die Verordnung von oralem Fluconazol war dort mit einem signifikanten Anstieg von Spontanaborten verbunden (Hazard Ratio 1,48; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,23-1,77).
Die FDA hielt bisher die einmalige orale Gabe von 150 mg zur Behandlung von vaginalen Hefepilz-Infektionen für sicher. Erst eine längere Behandlung mit höheren Dosierungen im Bereich von 400-800 mg/die könne zu „Abnormalitäten“ bei der Geburt führen, heißt es in der aktuellen Drug Safety Communication.
Diese relativ hohe Schwelle für eine reproduktionstoxische Wirkung muss die FDA jetzt überdenken. Denn die meisten Frauen in Dänemark hätten wohl nur eine oder zwei Tabletten mit 150 mg Fluconazol erhalten, heißt es in der Drug Safety Communication. Die Sicherheitsprüfung der FDA hat zwar erst begonnen. Die FDA rät den Gynäkologen dennoch zur Zurückhaltung bei der Verordnung von oralem Fluconazol an Schwangere.
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