Statine mindern kardiovaskuläre Fitness

Columbia – Machen Statine schlapp? In einer Interventionsstudie im Journal of the American College of Cardiology (2013; doi: 10.1016/j.jacc.2013.02.074) verhinderte die Einnahme von Simvastatin, dass ein Sportprogramm die kardiovaskuläre Fitness steigerte. In den Mitochondrien sank sogar die Konzentration der Atemenzyme. Eine Kohortenstudie im Lancet (2013; 381: 394-99) kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass Sport die günstigen Wirkungen der Statine auf die Sterblichkeit verstärkt.
Bewegungsmangel gehört ebenso wie ein erhöhter Cholesterinwert zu den kardiovaskulären Risikofaktoren. Ärzte sollen ihren Patienten mit zu hohen Cholesterinwerten deshalb nicht nur Statine, sondern auch Sport verordnen. Doch verträgt sich beides überhaupt? Zu den bekannten Nebenwirkungen von Statinen gehören Muskelschmerzen.
Gelegentlich sind sie mit einer Erhöhung der Kreatinkinase verbunden und in – allerdings extrem – seltenen Fällen kommt es zu einer Rhabdomyolyse, der am meisten gefürchteten Komplikation der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren. Die Muskelschmerzen unter der Einnahme von Statinen könnten Patienten davon abhalten, Sport zu treiben. Wäre es da nicht besser, wenn Patienten, die Statine einnehmen, sich körperlich schonen?
Das Team um John Thyfault von der Universität von Missouri in Columbia hat 37 übergewichtige oder adipöse Patienten (bewegungsfaul und mit mindestens zwei Aspekten eines metabolischen Syndroms) zu einem 12-wöchigen Sportprogramm eingeladen. Um sicher zu gehen, dass die Teilnehmer auch mitmachten, fand das Training unter Aufsicht statt.
Fünfmal die Woche strengten sich die Teilnehmer für jeweils 45 Minuten an, wobei sie sich auf bis zu 65 bis 70 Prozent des aerobischen Maximums belasteten. Nur die Hälfte der Teilnehmer behandelte die hohen Cholesterinwerte mit Simvastatin (40mg/die). Bei allen Teilnehmern wurde vor und nach dem Trainingsprogramm die kardiovaskuläre Fitness auf dem Ergometer getestet. Außerdem wurden Muskelbiopsien entnommen.
Fitness-Werte besser ohne Statine
Wie Thyfault berichtet, konnten die Teilnehmer, die keine Statine einnahmen, ihre kardiovaskuläre Fitness um 10 Prozent verbessern. Die Teilnehmer, die Statine einnahmen, traten dagegen auf der Stelle. Ihre Fitness-Werte stiegen nur um 1,5 Prozent. Die Erklärung fanden die Physiologen in den Biopsien. Die Konzentration der Citrat-Synthase, dem ersten Enzym im Citratzyklus und unentbehrlich für die aerobe Energiegewinnung in den Mitochondrien, war unter der Statinbehandlung – trotz Sport – um 4,5 Prozent gesunken, während das Trainingsprogramm ohne Statine die Citrat-Synthase um 13 Prozent steigerte.
Thyfault befürchtet aufgrund der Ergebnisse, dass Statine verhindern könnten, dass Patienten durch Sport ihr kardiovaskuläres Risiko senken. Zu einem entgegengesetzten Ergebnis kam allerdings die prospektive Beobachtungsstudie, die Peter Kokkinos vom Veterans Affairs Medical Center in Washington kürzlich vorgestellt hat. Sie umfasst 10.043 dyslipoproteinämische Patienten, die zwischen 1986 und 2011 an einem ergometrischen Belastungstest teilgenommen hatten.
In einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 10,9 Jahren waren 935 von 5.046 (18,5 Prozent) der Patienten gestorben, die Statine eingenommen hatten gegenüber 1.386 von 4.997 Patienten (27,7 Prozent), die keine Statine eingenommen hatten, was die in Studien belegte protektive Wirkung von Statinen bestätigt. Gleichzeitig zeigte sich, dass die körperlich fitteren Veteranen – wie erwartet – eine niedrigere Sterblichkeit hatten.
Eine solche Assoziation fand Kokkinos auch bei den Teilnehmern, die Statine eingenommen hatten: Hier lag das Sterberisiko bei den am wenigsten sportlichen Teilnehmern 35 Prozent über dem Durchschnitt, bei den fittesten Teilnehmern lag das Sterberisiko dagegen zu 47 Prozent unter dem Durchschnitt. Beobachtungsstudien können zwar keine Kausalität herstellen. Die Studie liefert jedoch Argumente dafür, Patienten unter einer Therapie mit Statinen zu körperlicher Bewegung zu raten.
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