Ärzteschaft

Streit um teilstationäre Dialyse verschärft sich

  • Donnerstag, 21. April 2016
Uploaded: 22.07.2013 18:54:42 by mis
dpa

Düsseldorf – Im Streit um die sogenannte teilstationäre Dialyse wirft der Verband der leitenden Krankenhausärzte in der Nephrologie (VLKN) Krankenkassen vor, zulasten der Patientensicherheit Geld einsparen zu wollen.

Hintergrund ist laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, dass die AOK Rheinland/Hamburg und die Knappschaft-Krankenkasse sich weigerten, die teilstationäre Dialyse adäquat zu vergüten, letztere fordere sogar Teile der Vergütung der letzten fünf Jahre zurück.

„Ein kleiner Teil der Dialysepatienten, nicht einmal fünf Prozent, bedarf der chronischen Dialyse in einem gut überwachten klinischen Umfeld, wo bei Komplikationen schnell eingegriffen und der Patient unmittelbar auf eine Intensiv- oder Facharztstation verlegt werden kann“, erläuterte der Vorsitzende des VLKN, Martin Kuhlmann. In Nordrhein-Westfalen untergraben die Kassen laut dem Verband die teilstationäre Dialyse, indem sie sich weigern, für die damit verbundenen Mehrkosten aufzukommen.

Laut Kuhlmann führt der Dialysestandard der DGfN klar aus, bei welchen Risiko­patienten eine teilstationäre Dialyse gerechtfertigt ist. „Die Definition ist eng, die Patienten müssen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig erfüllen. Dennoch stellen die benannten Kassen die Kollegen in NRW unter Generalverdacht, Patienten ohne entsprechende Indikation teilstationär zu dialysieren“, kritisiert der VLKN-Vorsitzende.   

Kritik an der Krankenkassenentscheidung kommt auch von Patientenseite: „Es ist traurig, dass wieder einmal an der Versorgung und dem Wohl der schwächsten Patienten unter uns gespart wird“, kommentierte Hans-Dieter Willms von der Landesarbeitsgemeinschaft Nierenkranker NRW den Streit.

Markus Schmidt, Chefarzt der Klinik für Nephrologie am Marien Hospital Marl und Vorstandsmitglied im VLKN warnte, dass multimorbide Dialysepatienten häufiger vollstationär aufgenommen werden müssten, wenn die teilstationäre Dialyse wegfalle. „Das käme das System unterm Strich teurer“, so Schmidt.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung