Studie: Cannabiskonsum fördert aggressives Verhalten

Montreal – Cannabis-Konsumenten sind möglicherweise nicht so friedfertig wie vielfach angenommen. Eine Studie an psychiatrischen Patienten in Frontiers in Psychiatry (2017; doi: 10.3389/fpsyt.2017.00176) ergab, dass sie häufiger zu gewalttätigem Verhalten neigen als Alkohol- oder Kokainkonsumenten.
Cannabis war lange die Droge von Hippies und Aussteigern. Die Konsumenten galten früher als verträumte Außenseiter, die sich mehr für die freie Liebe als für den Wehrdienst interessierten und deren Charakter eher durch friedvolle Passivität als durch Aggressionen gegenüber ihren Mitmenschen geprägt war.
Ein völlig anderes Bild zeichnet jetzt eine Langzeituntersuchung von psychiatrischen Patienten, die im Jahr nach ihrer Entlassung aus der Klinik mehrmals nach ihrem aktuellen Drogenkonsum und zu Gewalttätigkeit im Alltag befragt wurden. Dabei fiel auf, dass fortgesetzte Cannabiskonsumenten häufiger angaben, in den vergangenen Tagen in tätliche Auseinandersetzungen verwickelt gewesen zu sein.
Das Team um Alexandre Dumais von der Universität Montreal hat die Daten der MacArthur Risk Assessment Study ausgewertet. Es handelt sich um 1.136 jüngere Erwachsene (Durchschnittsalter 30 Jahre), die in drei psychiatrischen Einrichtungen in den USA behandelt worden waren. Bei ihrer Entlassung und an vier weiteren Terminen vom Folgejahr hatten die Patienten Fragebögen zu ihrem aktuellen Konsum von Alkohol und Drogen sowie zur Gewalttätigkeit ausgefüllt.
Ergebnis: Je häufiger die Teilnehmer einen Cannabiskonsum angegeben hatten, desto häufiger waren sie in Konflikte verwickelt. Patienten, die bei zwei Nachuntersuchungen einen Cannabiskonsum angegeben hatten, neigten zu 71 Prozent häufiger zu Gewalttätigkeiten (Odds Ratio 1,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08–2,70). Bei einem Cannabiskonsum bei drei Nachuntersuchungen stieg die Odds Ratio auf 2,08 (1,16-3,74) und bei allen vier Nachuntersuchungen auf 2,44 (1,06-5,63).
Für Alkohol wurde eine signifikante Assoziation mit Gewalttaten nur für Patienten gefunden, die bei allen Befragungen angegeben hatten, dass sie regelmäßig Alkohol trinken (Odds Ratio 2,32; 1,25-4,28). Der Konsum von Kokain, eigentlich eine Droge, die die Impulsivität stark fördert, war nicht mit vermehrten Konflikten assoziiert.
Zweifel an den Ergebnissen der Studie sind möglich, da der Alkohol- und Drogenkonsum nicht durch Blut- oder Urinuntersuchungen bestätigt wurde und die Angaben zu Konflikten nicht überprüft wurden (etwa durch Nachfrage bei der Polizei). Laut Dumais ist es jedoch nicht die erste Studie, die die Gewaltbereitschaft von Psychiatrie-Patienten mit dem in dieser Gruppe häufigen Cannabis-Konsum in Verbindung bringt.
Bildgebende Verfahren hätten zudem gezeigt, dass Cannabiskonsumenten häufiger strukturelle und funktionelle Defizite im präfrontalen Cortex aufweisen, der beim Menschen für die Kontrolle von Impulsivität und Instinkten zuständig ist, schreibt Dumais.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: