Studie: Heimleitungen mit Pflegepolitik unzufrieden

Berlin – Die große Mehrheit der Heimleiter ist mit der Altenpflegepolitik in Bund und Ländern nach einer Umfrage sehr unzufrieden. 86 Prozent der befragten Heimleiter und Geschäftsführer kritisierten deswegen die Bundesregierung, auf Landesebene sind es sogar 88 Prozent, die von der Pflegepolitik der jeweiligen Regierung enttäuscht sind.
Das geht aus einer Online-Befragung im Auftrag des Fachverlages Vincentz Network und der Evangelischen Heimstiftung hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. „Wir sehen eindeutig, dass die Euphorie um die Pflegestärkungsgesetze in der Branche verflogen ist“, kommentierte Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart.
Aus Sicht der Führungskräfte in den stationären Einrichtungen greifen viele der angestoßenen Reformen ins Leere und verschlimmern die ohnehin angespannte Situation zusätzlich. 85 Prozent der Befragten seien davon überzeugt, dass die Auswirkungen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes die stationäre Pflege vor wirtschaftliche Probleme stellen werde. 92 Prozent sind demnach der Meinung, dass beide Pflegestärkungsgesetze zwar die ambulante Pflege stärken, den stationären Bereich aber vernachlässigen. Mit den beiden Gesetzen werden die Leistungen ausgeweitet und neue Gruppen der Pflegebedürftigkeit geschaffen.
Fachkräftemangel bereitet Sorge
Die Befragten des Altenpflegebarometers gaben zudem an, dass der Fachkräftemangel eines der Hauptprobleme der Branche bleibt. 86 Prozent der Einrichtungen fällt es demnach schwer, geeignetes Personal zu finden, und 70 Prozent fürchten, dass sich die Situation in den kommenden drei Jahren weiter verschärfen wird.
„Die Bundesregierung hat sich in diversen Pflegereformen verheddert und dabei das Wichtigste aus den Augen verloren: Ohne ausreichend gutes und qualifiziertes Personal wird es keinen neuen Pflegebegriff geben“, kritisierte die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Elisabeth Scharfenberg, die Bundesregierung.
Erwin Rüddel, pflegepolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, verteidigte die Pflegereformen der Bundesregierung: „Wir haben in dieser Legislaturperiode viele Verbesserungen für die Pflege beschlossen: Diese müssen jetzt erst einmal in der Fläche ankommen“,sagte er. Wichtig sei es, in der nächsten Legislaturperiode zu überprüfen, welche Auswirkungen es gebe und wo nachzujustieren sei.
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