Studie sieht Nutzen von Vitamin B3 gegen Krankenhauskeime
Los Angeles/Münster – Hohe Dosen von Nicotinamid (Vitamin B3) können möglicherweise bei der Bekämpfung von Krankenhauskeimen helfen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Nils Thoennissen von der Universität Münster und Pierre Kyme im Journal of Clinical Investigation (doi:10.1172/JCI62070).
„In unseren Versuchen haben hohe Nicotinamid-Dosen die Neutrophile sowohl bei lebenden Mäusen als auch im menschlichen Blut im Reagenzglas gestärkt. Die Neutrophile schütteten dadurch vermehrt antibakteriell wirkende Stoffe aus“, erläutert Thoennissen Die Vitamingabe wirkte in Experimenten gegen MRSA und gegen Pseudomonas, eine weitere Bakteriengattung, die zunehmend in antibiotikaresistenter Form auftritt.
Riskant scheinen die in den ersten Versuchen verwendeten Nicotinamid-Dosen nicht zu sein, so die Wissenschaftler: „Vor der Bestrahlung von Krebspatienten kann Nicotinamid in hohen Dosen verabreicht werden, um das Ansprechen von bestimmten soliden Tumoren zu erhöhen“, erläutert der Krebsforscher Thoennissen. Die bisher eingesetzten Dosen entsprächen etwa dem 300-fachen der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tageszufuhr.
Nebenwirkungen seien erst bei noch größeren Mengen zu erwarten so Thoennissen. Allerdings fehlten hierzu noch groß angelegte Studien. Die Forscher hoffen, der neue Angriffsweg gegen multiresistente Keime könnte in Zukunft in Krankenhäusern und anderen Risikoumgebungen vorbeugend und therapeutisch genutzt werden. „Aber zuvor sind klinische Studien nötig, um die Wirksamkeit am lebenden Menschen zu belegen und mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufzudecken“, betonen die Wissenschaftler.
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