Studie: Viele Berufe, wenig Patientenorientierung im Gesundheitswesen
Gelsenkirchen – Angesichts einer Vielzahl neuer Bildungsangebote, Spezialqualifikationen und erweiterter Kompetenzprofile im Gesundheitswesen droht die Patientenorientierung auf der Strecke zu bleiben. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Den IAT-Wissenschaftlern zufolge stehen die Gesundheitsberufe in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen: Das Management möchte gerne Effizienzreserven heben und entwickelt vielfältige Tätigkeitsprofile mit oft engen Spezialisierungen, die schnelle Kompetenz zu niedrigen Löhnen versprechen.
Vertreter der Berufsgruppen setzen auf neue Aufgaben und autonomere Arbeit, um mehr Ansehen und bessere Bezahlung durchzusetzen. Auch Hochschulen und andere Bildungsträger bieten innovative Qualifikationen an, vor allem, wenn damit eine gute Auslastung zu erwarten ist.
Die zunehmende Akademisierung vieler nicht-ärztlicher Heilberufe gelte zudem als sinnvoll und alternativlos, so die Wissenschaftler. Unsicherheit bereite allerdings, dass für die betroffenen Studierenden wie für die Gesundheitsanbieter auf absehbare Zeit unklar sein werde, auf welche Stellen, mit welchen Befugnissen und zu welchen Bedingungen gearbeitet werden soll.
„Insgesamt findet in der Welt der Krankenhäuser eine dynamische Erneuerung der Berufsbilder statt, die weder in ihrer Ausrichtung noch mit Blick auf die zu erwartenden Ergebnisse strategisch fundiert ist“, heißt es dazu in der Studie.
Die IAT-Forscher plädieren deshalb für einen „Berufsbildungsbericht Gesundheitswirtschaft“. Er soll eine empirisch fundierte Berichterstattung zur Lage und zur Entwicklung von Qualifikationen, Tätigkeiten und Arbeitsroutinen enthalten sowie ein wissenschaftliches Trendmonitoring über innovative Gestaltungsmöglichkeiten.
„Eine strategische Berufsbildungspolitik für die Gesundheitsberufe, systematisch verknüpft mit einer menschengerechten Arbeitsgestaltung, steht seit langem aus“, erklärten die Autoren. Darüber hinaus empfehlen sie, den Gestaltungsdialog in und mit der Praxis auszubauen, um das dort vorhandene Wissen abzuholen sowie innovative Gestaltungsansätze auf Praxistauglichkeit zu prüfen.
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