Medizin

Studie: Vitamin C schwächt Chemotherapie bei Krebs

  • Mittwoch, 1. Oktober 2008

New York – Die Verordnung von Vitamin C zur Stärkung der Abwehrkräfte für eine bevorstehende Chemotherapie könnte keine gute Idee sein. Präklinische Studie in Cancer Research (2008; 68: 8031-8038) zeigen, dass Vitamin C die Widerstandskraft der Krebszellen stärkt und die Wirkung verschiedener Chemotherapeutika abschwächt.

Vitamin C gehört zu den so genannten Radikalenfängern, also jenen reaktiven Sauerstoffspezies (reactive oxygen species, ROS), die schädliche Formen des Sauerstoffs neutralisieren, bevor diese Zellstrukturen schädigen. Einige häufig eingesetzte Krebsmedikamente erzielen ihre Wirkung jedoch, indem sie ROS freisetzen, die dann einen programmierten Zelltod, die Apoptose, induzieren.

Mark Heaney vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York ging deshalb der berechtigten Frage nach, ob Vitamin C die Wirkung von Krebsmedikamenten herabsetzt. Die ersten Experimente wurden an Zelllinien von Leukämien oder Lymphomen durchgeführt. Die Krebszellen wurden mit den klassischen Zytostatika Doxorubicin, Cisplatin, Vincristin, Methotrexat, oder aber mit dem modernen Wirkstoff Imatinib behandelt, das Tumorzellen abtötet, indem es gezielt intrazelluläre Signalketten unterbricht.

Die zytotoxische Wirkung aller Wirkstoffe war nach Zusatz von Dehydro-Ascorbinsäure (der intrazellulär aktivierten Variante von Vitamin C) dosisabhängig herabgesetzt. Die Krebsmedikamente töteten zwischen 30 und 70 Prozent weniger Tumorzellen ab.

Ähnliche Effekte wurden bei Mäusen beobachtet, bei denen das Krebsleiden durch Implantation der Tumorzellen ausgelöst wurde. Hier verhinderte Vitamin C, dass die Chemotherapie ihre normale Wirkung entfaltete.

Schließlich untersuchten die Forscher den Wirkungsmechanismus für diese (im wörtlichen Sinne) tumorprotektive Wirkung. Zur Überraschung stellten sie fest, dass nicht die Radikalfänger-Wirkung dafür verantwortlich ist. Vitamin C stabilisierte nach Auskunft von Heaney die Membranen der Mitochondrien, die ebenfalls ein Angriffspunkt vieler Chemotherapeutika sind.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Krebszellen Vitamin C besonders stark anreichern. Dies lässt sich nach den aktuellen Studienergebnissen nicht unbedingt als günstiges Zeichen werten. 

Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, muss offen bleiben. Dies kann nur in epidemiologischen Studien geklärt werden. Heaney rät Krebspatienten jedoch vorsorglich auf die Einnahme hochdosierter Vitamin-C-Präparate zu verzichten.

rme

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