Sturzflut-Katastrophe im Himalaya: Rettung weiterer Überlebender schürt Hoffnungen

Kathmandu – Die Rettung weiterer Überlebender anderthalb Wochen nach der gigantischen Sturzflut in Nepal hat den unermüdlichen Bergungsarbeiten neuen Auftrieb verliehen. Ministerpräsident Balendra Shah sagte, die Rettung einer Frau habe „der ganzen Nation Hoffnung gegeben“.
Die Gesamtzahl der Todesopfer der Katastrophe im nepalesisch-tibetischen Grenzgebiet stieg unterdessen um weitere zwölf Opfer auf 1.384. Im offiziell zu China gehörenden Tibet stieg die Zahl der Todesopfer von 31 auf 43, wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua gestern meldete.
In Nepal wurden nach Angaben der dortigen Katastrophenschutzbehörde bis zum Sonntag 1.341 Leichname geborgen. Mehr als 5.500 Menschen wurden noch vermisst, 4.996 auf nepalesischer und 519 auf tibetischer Seite der Grenze. Unter den Vermissten sind auch zahlreiche ausländische Touristen und Pilger.
Die Rettungsarbeiten werden von Fachleuten aus Indien, China, Australien und Südkorea unterstützt. Laut dem nepalesischen Energieministerium wollten die Bergungskräfte von der Schweiz gelieferte Drohnen einsetzen, die bei Sucheinsätzen in dunklen, engen und gefährlichen Tunneln helfen können.
Die Rettungskräfte greifen auch auf Drohnen zurück, um Medikamente, Lebensmittel und andere Hilfsmittel in höher gelegene Regionen zu bringen – und um Leichen abzutransportieren.
Weil die Leichenhallen überfüllt sind, wurden nach Polizeiangaben vorgestern inzwischen schon 1.300 Tote in Massengräbern beigesetzt, nachdem ihnen DNA-Proben für ihre spätere Identifizierung entnommen worden waren. Nur etwa hundert der Todesopfer in Nepal wurden identifiziert und an ihre Familien übergeben.
Den tausenden obdachlos gewordenen Menschen sicherte Nepals Regierungschef Shah „sichere und bequeme“ Unterkünfte zu. „Wir wissen, dass es nicht einfach für Sie ist“, erklärte er am vergangenen Freitag in Onlinenetzwerken an die Adresse jener, die derzeit in Notunterkünften leben.
Bei der Sturzflut am 26. August waren im Grenzgebiet zwischen Nepal und der autonomen Region Tibet in China ganze Ortschaften zerstört worden. Auch wurden Brücken, Straßen und andere Infrastruktur vernichtet. Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal bezeichnete die Katastrophe als „Himalaya-Tsunami“.
Ursache war nach Einschätzung von Fachleuten ein Gletscherabbruch am mehr als 7.000 Meter hohen Berg Langtang Lirung in Nepal. Die Gletscher im Himalaya schmelzen wegen des Klimawandels schneller als je zuvor. Schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und das Risiko von Erdrutschen erhöhen.
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