Tagelanges Glatteis fordert auch Arztpraxen heraus

Berlin – Glättebedingte Unfälle bringen Berliner Krankenhäuser und Arztpraxen weiterhin an ihre Belastungsgrenze. „Die letzten Wochen waren wirklich hart für uns“, sagte die Hausärztin und Co-Vorsitzende des Hausärzteverbandes Berlin und Brandenburg (BDA), Sandra Blumenthal.
Zum einen würden viele der aus dem Krankenhaus entlassenen Glättepatienten in der Arztpraxis nachversorgt, zum anderen litten zurzeit viele Menschen an einer Atemwegserkrankung. „Ich habe in den letzten zwei Wochen wegen Stürzen und Influenza unglaublich viele Hausbesuche gemacht“, so die Ärztin.
Auch ambulante Pflegedienste seien stark gefordert. Im Zusammenhang mit der Kälte bräuchten aktuell auch viele Patienten mit Asthma und der Lungenkrankheit COPD Hilfe. „Asthmapatienten haben Atembeschwerden und teilweise Atemnot und brauchen eine intensivierte Therapie.“ Teilweise gelte das auch für Menschen mit COPD.
Wer Sorge hat, auf dem Weg zu stürzen, sollte einen Arzttermin im Zweifel absagen, sagt Blumenthal. „Bei dem Glatteis sollte man, nur wenn es nötig ist, in die Hausarztpraxis gehen. Wir haben die Möglichkeit Rezepte elektronisch zu verschicken, das sollte man nutzen“, empfiehlt sie vor allem älteren Menschen.
Die größte Herausforderung sei die ungewöhnlich lange Dauer der Glätteperiode, sagte die Sprecherin des Berliner BG Unfallkrankenhauses, Angela Kijewski. Glatteis gebe es jedes Jahr, aber selten so lange am Stück wie jetzt. Kijewski sprach von einer Ausnahmesituation. „Es sind alle sehr stark strapaziert.“
Seit Wochen kämen zahlreiche Menschen mit Handverletzungen, Kopfverletzungen oder Knochenbrüchen an den Füßen, Knöcheln, Beinen oder Schultern in die Rettungsstelle. „Die Radiologieassistenten arbeiten im Akkord.“ Die Koordination von Personal, OP-Sälen und Betten sei „ein Kunststück“. Nicht dringende Eingriffe würden verschoben, um Kapazitäten für Notfälle zu schaffen.
Die Zentralen Notaufnahmen der Vivantes-Kliniken – sieben für Erwachsene und zwei für Kinder – behandelten seit Wochen „sehr viel mehr Verletzungen durch Stürze als gewöhnlich“, teilte Konzernsprecher Christoph Lang mit. Auch im Vergleich zu den vergangenen, eher milden, Wintern sei die Zahl deutlich höher. Notaufnahmen und Unfallchirurgien seien stark ausgelastet, bewältigten das Patientenaufkommen aber.
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