Ärzteschaft

Tausende Klinikärzte bei Großkundgebung in Hannover

  • Mittwoch, 22. März 2006
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dpa

Hannover - Tausende Klinikärzte aus ganz Deutschland haben am Mittwoch auf einer Großkundgebung in Hannover für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) zogen rund 6.000 Ärzte von Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern mit Trillerpfeifen und Plakaten wie „Geld weg, Arzt weg“ und „Gute Arbeit, gutes Geld“ durch die Stadt. 

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, forderte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erneut auf, ein akzeptables Angebot vorzulegen. In die verhärteten Fronten kommt nun offenbar wieder etwas Bewegung: Die Unterhändler beider Seiten wollen sich am Donnerstag zu einem inoffiziellen Gespräch in Berlin treffen.

„Das ist heute noch nicht das Ende“, sagte Montgomery vor den tausenden Teilnehmern der Großkundgebung auf dem Opernplatz in Hannover. Sollte die TdL nicht endlich ein Angebot vorlegen, werde es an den Universitätskliniken einen „Sturm“ geben. Montgomery bekräftigte die Forderungen der Klinikärzte nach einem „arztspezifischen Tarifvertrag“ und verbesserten Arbeitszeitregelungen. „Mit 80-Stunden-Wochen muss Schluss sein“, sagte Montgomery. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, zogen die Demonstranten zum Amtssitz des niedersächsischen Finanzministers und TdL-Chefs Hartmut Möllring (CDU).

Parallel dazu gingen die Streiks an den Universitätskliniken weiter. Betroffen waren am Mittwoch 14 Unikliniken unter anderem in München, Köln, Aachen, Göttingen und Ulm und sechs psychiatrische Landeskrankenhäuser Baden-Württembergs. 

Bei ihrem inoffiziellen Treffen wollten Vertreter von Marburger Bund und TdL am Donnerstag zunächst die Möglichkeiten für eine Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen ausloten. Die Ärztegewerkschaft hatte die Tarifgespräche für gescheitert erklärt und die TdL dafür verantwortlich gemacht.

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Möllring wies die Forderungen nach 30 Prozent mehr Gehalt erneut zurück. Er verwies im Nachrichtensender N24 auf den Vorschlag der Länder. Dieser sieht  Arbeitsverträge mit 42 bis 48 Wochenstunden vor. Eine Lohnerhöhung um 30 Prozent ohne jede Mehrarbeit sei „illusorisch“ und „abwegig“, sagte Möllring.

Der Chef der Gmünder Ersatzkasse, Dieter Hebel, rechnet mit einer Ausweitung der Streiks auch auf kommunale und freigemeinnützige Krankenhäuser. Er warnte jedoch vor Zugeständnissen an die Klinikärzte. Dafür müssten letztlich die Beitragszahler aufkommen, sagte Hebel der „Berliner Zeitung“ vom Mittwoch.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann, unterstützte die Forderungen der Ärzteschaft. Es sei berechtigt, angemessene Arbeitszeiten und „einen spürbaren Zuschlag“ zu fordern, sagte sie der „Sächsischen Zeitung“ vom Mittwoch. Allerdings gingen die geforderten 30 Prozent mehr Gehalt „am Leben vorbei“. 

Auch der Verband der Krankenversicherten Deutschlands äußerte sich besorgt über den andauernden Ärztestreik. Es gebe inzwischen Anrufe von Patienten, die „schlicht und einfach Angst“ hätten, ob die Notfallversorgung auch in nächster Zeit noch gesichert sei, sagte Präsident Heinz Windisch dem SWR. /afp

afp

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