Thiamin in Fischsauce könnte infantile Beriberi vorbeugen
Adelaide – Der Verzehr einer mit Thiamin angereicherten Fischsauce hat in einer randomisierten Studie in Kambodscha die Vitaminversorgung von Schwangeren und ihren Kindern deutlich verbessert und könnte laut einer Studie in JAMA Pediatrics (2016; doi: 10.1001/jamapediatrics.2016.2065) einen Beitrag zur Vermeidung der infantilen Beriberi leisten.
Die Thiaminmangelkrankheit Beriberi ist mitnichten eine historische Erkrankung. In vielen ärmeren Ländern sind vor allem Säuglinge betroffen, die einen bezogen auf das Körpergewicht besonders hohen Bedarf ab Vitamin B1 (Thiamin) haben. Gefährdet sind vor allem gestillte Kinder (Babyersatznahrung wird mit Thiamin angereichert), deren Mütter sich einseitig ernähren. Dies ist in ländlichen Regionen Kambodschas häufig der Fall, wo polierter Reis das Hauptnahrungsmittel ist und nicht selten 60 Prozent der Kalorienmenge deckt.
Die infantile Beriberi wird häufig übersehen. Der Vitaminmangel macht sich zunächst durch das heisere Schreien des Säuglings bemerkbar. Es kommt zu ständigem Erbrechen und Gedeihstörungen. Die Säuglinge entwickeln ein generalisiertes Ödem, die Harnproduktion versiegt, schließlich kommt es zu Krampfanfällen und zum Tod durch Herzversagen.
Ein Team um Timothy Green vom South Australian Health and Medical Research Institute in Adelaide hat jetzt in einer randomisierten Studie untersucht, ob die Verwendung einer mit Thiamin angereicherten Fischsauce die Vitaminversorgung verbessern könnte.
In der Region Prey Veng im Süden von Kambodscha wurden 90 Schwangere, die ihr Kind nach der Geburt mindestens sechs Monate voll stillen wollten, auf drei Gruppen randomisiert. In allen Gruppen wurde den Frauen Fischsauce zur Verfügung gestellt, die in der ersten Gruppe 8 g/l Thiamin, in der zweiten Gruppe 2g/l Thiamin und in der dritten Gruppe kein Thiamin enthielt.
Die Frauen waren zu Beginn der Studie im Durchschnitt in der 23. Woche schwanger. Die Kontrolluntersuchungen fanden statt, als die Säuglinge zwischen 14 und 17 Wochen alt waren. Laut Green hatte die Anreicherung zu diesem Zeitpunkt den Thiamin-Gehalt in der Brustmilch gesteigert und sowohl Mutter als auch Kind hatten höhere Vitaminkonzentrationen (in den Erythrozyten), wenn die Mütter die mit Thiamin angereicherten Fischsaucen verzehrt hatten.
Die Studie zeigt, dass eine Anreicherung von Fischsaucen in Kambodscha die Thiaminversorgung verbessern könnte. Die Maßnahme ließe sich in Kambodscha verhältnismäßig leicht umsetzen, da Fischsaucen dort bereits per Gesetz mit Eisen angereichert werden müssen. Ob ein genereller Zusatz von Thiamin jedoch sinnvoll wäre, ist umstritten.
Die kleine Studie konnte die Frage nicht klären, da es auch in der Kontrollgruppe zu keiner Erkrankung an Beriberi kam. Ein Problem besteht darin, dass derzeit gar nicht genau bekannt ist, wie viel Thiamin Säuglinge tatsächlich benötigen. Die derzeitigen Empfehlungen beruhen, so Green, auf einer Studie an 24 amerikanischen Frauen aus dem Jahr 1980. Ein anderes Problem könnte der hohe Salzgehalt der Fischsaucen sein. Die Anreicherung könnte dazu führen, dass Schwangere mehr Fischsauce essen, als ihrer Gesundheit förderlich wäre, gibt Melissa Wake vom Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne in einem Kommentar zu bedenken.
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