Thomas Starzl, Erfinder der Lebertransplantation, stirbt mit 90

Pittsburgh – Der US-amerikanische Chirurg Thomas Earl Starzl, der 1967 die weltweit erste erfolgreiche Lebertransplantation durchgeführt hat, ist am Samstag in Pittsburgh im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte die Universität Pittsburgh mit, wo Starzl bis zur Pensionierung eines der weltweit führenden Transplantationszentren aufgebaut hatte.
Zur Berühmtheit gelangte der Sohn eines Zeitungsredakteurs und Science-Fiction-Autors, der sich nach dem frühen Tod seiner Mutter an Brustkrebs zum Biologiestudium mit späterer Spezialisierung auf Anatomie und Neurophysiologie entschloss, im Jahr 1967, als ihm an der Universität von Colorado die weltweit erste Lebertransplantation gelang. Vorausgegangen war ein Versuch im Jahr 1963, den der Patient allerdings nicht überlebte.
Lebertransplantationen galten lange Zeit als unmöglich
Obwohl Nierentransplantationen bereits seit den 1950er Jahren erfolgreich durchgeführt wurden, galt eine Lebertransplantation lange als unmöglich. Dies lag nicht nur an der Größe des Organs und an der komplizierten Anastomosierung der Gallengänge, sondern auch an der Tatsache, dass es anders als bei der Niere keine Möglichkeit gab (und gibt), die Organfunktion in der Zwischenzeit durch eine Maschine zu ersetzen. Starzl beschrieb die Operation später als eine Kombination aus Brutalität, mit der das alte Organ innerhalb kurzer Zeit entfernt wurde, und Raffinesse, mit der die kleinen Gallengänge und andere Strukturen danach wieder verbunden wurden.
Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Lebertransplantation war eine Verbesserung der Immunsuppression, an der Starzl in den Jahren zuvor mitgearbeitet hatte. Seit 1962/1963 war es ihm gelungen, durch die Kombination von Azathioprin und Kortikosteroiden die Abstoßungsreaktionen besser zu vermeiden. Im Jahr 1980 gelang Starzl mit Anti-Lymphozyten-Globulin und Cyclosporin ein weiterer Fortschritt.
Strazl war 1989 an der Einführung des Immunsuppressivums FK506 (Tacrolimus) beteiligt
Die Lebertransplantation entwickelte sich danach von einem experimentellen Verfahren zu einer allgemein akzeptierten Standardbehandlung, die seither weltweit durchgeführt wird. Ein weiterer wichtiger Fortschritt war 1989 die Einführung des Immunsuppressivums FK506 (Tacrolimus), das von Starzl maßgeblich vorangetrieben wurde. Tacrolimus sollte die Patienten- und Transplantat-Überlebensraten in der Folge deutlich verbessern. Das Mittel wurde erst fünf Jahre später von der US-Arzneibehörde FDA zugelassen
Starzl wechselte 1981 an die Universität Pittsburgh. Schon im ersten Jahr führte er dort 30 Lebertransplantationen durch. 1984 gelang ihm die erste kombinierte Transplantation von Herz und Leber (bei einem sechsjährigen Mädchen mit familiärer Hypercholesterinämie). Seit 1990 war Starzl Leiter des Transplantationszentrums in Pittsburgh, das sechs Jahre später in Thomas E. Starzl Transplantation Institute umbenannt wurde.
Experimente mit Xenotransplantationen gescheitert
In den 1990er Jahren nahm Starzl frühere Experimente mit Xenotransplantationen wieder auf. Die beiden Transplantationen einer Pavianleber misslangen jedoch ebenso wie frühere Versuche aus den Jahren 1963 und 1964. Zwischen 1969 und 1974 war Starzl auch mehrmals mit dem Versuch gescheitert, die Leber von Schimpansen zu übertragen.
Starzl hat Zeit seines Lebens mehr als 200 Auszeichnungen erhalten, darunter den Lasker-Preis, nicht aber den Nobelpreis. Er war auch publizistisch unübertroffen. Laut dem Institute for Scientific Information veröffentlichte er zu Spitzenzeiten alle 7,3 Tage ein neues Paper. Damit wurde er einer der meistzitierten Wissenschaftler. Das Buch „1.000 Years, 1.000 People“ führte ihn an Position 213 der einflussreichsten Menschen des letzten Jahrtausends. Im Jahr 1992 erschein seine Autobiographie „The Puzzle People: Memoirs of a Transplant Surgeon“, die bisher nicht auf Deutsch erschienen ist.
Lebertransplantationen werden heute in den meisten entwickelten Ländern durchgeführt. Zu den bekannten Empfängern gehören die Musiker Gregg Allman, Jack Bruce und David Crosby sowie der Apple-Gründer Steve Jobs (aber auch der Catcher Billy Graham und die Pornodarstellerin Linda Lovelace). In Deutschland wurden 2015 insgesamt 846 Lebertransplantationen nach postmortaler Organspende und 45 nach einer Lebendspende durchgeführt.
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