Transfusionsmediziner sehen telemedizinische Begleitung bei Blutspenden kritisch

Köln – Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) warnt davor, auf die Präsenz von Ärzten bei Blutspenden zu verzichten und diese nur telemedizinisch einzubinden.
„Um die Gesundheit der Spendenden im Vorfeld und Verlauf der Spende und damit die Sicherheit des Blutspendeverfahrens insgesamt sicherzustellen, halten wir die Anwesenheit eines Arztes oder einer Ärztin für dringend geboten“, sagte der DGTI-Experte Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Per Videoübertragung könnten Ärztinnen und Ärzte den tatsächlichen Gesundheitszustand des potenziellen Spendenden schlechter beurteilen, warnte er.
Das Bundesgesundheitsministerium hat mit einem Entwurf für eine Telemedizin-Blutspende-Verordnung im Juni die Einführung telemedizinischer Verfahren bei der Blut- und Plasmaspende forciert. Ärzte müssten dann bei der Blutspende in vielen Fällen nicht mehr in Präsenz anwesend sein, sondern würden nur noch digital zugeschaltet.
„Viele Menschen, die regelmäßig Blut spenden, vertrauen dem Verfahren“, sagte Peine. Dieses Vertrauen beruhe auch auf der guten ärztlichen Betreuung und Sicherheit, die bei der Blutspende immer gegeben sei, so der Hamburger Experte.
„Aus Gründen des Gesundheitsschutzes betreuen Transfusionsmediziner die Menschen bei der Blutspende besonders vertrauens- und verantwortungsvoll. Und dazu gehört, dass ausreichend qualifiziertes Personal anwesend ist, um bei Kreislaufproblemen oder anderen plötzlich auftretenden Komplikationen schnell einschreiten zu können“, sagte er.
Das große Vertrauen der Spender in diese gute Betreuung sei die Grundlage dafür, dass Deutschland ausreichend mit sicheren Blutprodukten versorgt werde, betonte er.
Mehr Evidenz zu den Auswirkungen einer solchen Reform fordert der DGTI-Präsident Holger Hackstein. „Eine so tiefgreifende Änderung im Transfusionsgesetz wie die telemedizinische Blutspende sollte zwingend auf Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse geschehen“, betonte er.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: