Tuberkulose: Infektionsrisiko im Flugzeug gering

Stockholm – Die Gefahr, sich im Flugzeug eine aktive Tuberkulose zu holen, ist nach Einschätzung einer Expertengruppe des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) gering. Eine Leitlinie rät nur in Ausnahmsfällen zu einer Untersuchung von Kontakten.
Berichte über Tuberkulose-Epidemien in Flugzeugen sind selten. Die Autoren der „Risk Assessment Guidelines for Infectious Diseases Transmitted on Aircraft“ (RAGIDA) fanden nur 21 Primärpublikationen in der Literatur. In sieben Studien gab es Hinweise auf mögliche Ansteckungen: Fünfmal wurde über Konversionen des Tuberkulinhauttests berichtet. In den beiden anderen Studien konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Patienten bereits vorher latent mit Tuberkulose infiziert waren.
Der einzige überzeugende Bericht einer Ansteckung wurde vor 18 Jahren im New England Journal of Medicine (1996; 334: 933-938) veröffentlicht. Damals hatten die Passagiere, die weniger als zwei Sitzreihen von einem Patienten mit multiresistenter Tuberkulose gesessen hatten, ein 8,5-fach erhöhtes Risiko auf einen positiven Hauttest.
In einem anderen Fall hatten die US-Centers for Disease Control and Prevention 758 Mitreisende untersucht und dabei 142 Personen mit positiven Testergebnissen gefunden. Bis auf einen hatten alle bekannte Risikofaktoren für eine Erkrankung, so dass offen bleibt, wie viele sich angesteckt haben (Travel Med Infect Dis. 2010;8: 104-12). Keine der untersuchten Personen war an einer aktiven Tuberkulose erkrankt.
Die RAGIDA-Leitlinie empfiehlt die Suche nach Kontaktpersonen nur, wenn der Index-Patient eine offene Lungentuberkulose hatte, der Flug länger als acht Stunden dauerte und zwischen dem Flug und der Diagnose weniger als drei Monate vergangen sind. Die Kontaktsuche könnte sich dann auf Personen in der gleichen Sitzreihe sowie den beiden davor und dahinter beschränken.
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