Überprüfungszeitraum im Fall von möglichem Kindesmissbrauch ausgeweitet
Homburg – Im Zusammenhang mit Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch durch einen Assistenzarzt weitet das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) den Zeitraum seiner Überprüfung aus. Es werde auch die Zeit in den Blick genommen, in der der Beschuldigte den klinischen Abschnitt seines Studiums der Humanmedizin Ende 2005 in Homburg begann, teilte das UKS heute mit. Grund dafür seien Hinweise auf weitere mögliche Fälle, die sich aus Beratungsgesprächen im Rahmen der Aufklärungsarbeit ergeben hätten. Auch die Universität des Saarlandes sei bei der Untersuchung mit im Boot.
Der beschuldigte Arzt, der 2016 gestorben war, steht im Verdacht, bis 2014 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht zu haben. Die Eltern der 34 möglicherweise betroffenen Kinder waren über Jahre nicht darüber informiert worden: Die sei mittlerweile geschehen, erste Gespräche wurden geführt oder vereinbart, teilte das UKS mit. Zudem würden derzeit alle rund 300 Patienten kontaktiert, die von 2010 bis 2014 von dem Assistenzarzt behandelt wurden.
Eine mehrköpfige „Taskforce“ sei ins Leben gerufen worden, die Kinderschutzkonzepte am Klinikum optimieren solle. Auch ein externer Gutachter werde in der Sache beauftragt, hieß es. Der Assistenzarzt hatte sein Studium in 2003 begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der Verdachtsfälle ermittelt – das Verfahren aber nach dem Tod des Arztes 2016 eingestellt. Der Fall hat im Saarland auch eine politische Debatte ausgelöst.
Auch in Kaiserslautern prüft nun ein früherer Arbeitgeber des Beschuldigten dessen Patientenkontakte: Der Mann war von April 2014 bis zu seinem Tod im Juni 2016 in der Klinik für Neurologie im Westpfalz-Klinikum beschäftigt. Nach derzeitigem Kenntnisstand habe er in seinem dienstlichen Umfeld in der Klinik für Neurologie keinen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen gehabt, teilte die Klinik mit. Bisher hätten sich keine Hinweise auf möglichen Kindesmissbrauch ergeben.
Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Geschäftsführung des Westpfalz-Klinikums ebenfalls eine Taskforce eingerichtet, hieß es. Derzeit sei man dabei, die Patientenkontakte des ehemaligen Assistenzarztes „im Detail zu ermitteln“. „Sollten sich dort Anhaltspunkte für ähnliche Vorkommnisse wie an der Uniklinik Homburg zeigen, werden wir unmittelbar die Staatsanwaltschaft und die Betroffenen informieren“, erklärte Thorsten Hemmer, der Vertreter des Geschäftsführers.
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