Umweltreize halten das Gehirn jung

Göttingen – Eine stimulierende Umgebung mit verschiedenen körperlichen, sozialen und kognitiven Umweltreizen fördert die Hirnfunktion – zumindest bei Mäusen. Die Reize verstärken die Fähigkeit neuronaler Netzwerke, sich in erfahrungsabhängiger Weise zu verändern. Das berichten Wissenschaftler der Abteilung Systemische Neurobiologie der Universität Göttingen in den Proceedings Of The National Academy of Sciences (PNAS, doi: 10.1073/pnas.1313385111).
Die Forscher untersuchten Mäuse in großen Käfigen mit Laufrädern, verschiedenen Labyrinthen und einer Vielzahl von Möglichkeiten für soziale Interaktionen. Über einen längeren Zeitraum maßen sie die Aktivitätsänderungen in der Sehrinde. „Mäuse, die in dieser stimulierenden Umwelt lebten, zeigten sogar bis ins späte Erwachsenenalter eine hohe Plastizität, also Anpassungsfähigkeit, in der Sehrinde, und waren zusätzlich vor Beeinträchtigungen der Plastizität nach einem Schlaganfall geschützt“, sagte die Leiterin der Abteilung, Siegrid Löwel.
Ein längerer Aufenthalt in der stimulierenden Umwelt konnte sogar die Plastizität adulter Mäuse wiederherstellen, die sich zuvor in normal großen Käfigen bis zu einem Alter aufhielten, in dem die Sehrindenplastizität üblicherweise verlorengeht.
„Eine stimulierende Umwelt könnte deshalb ein alternatives Therapieverfahren ohne den Einsatz von Medikamenten zur Erhaltung und Wiederherstellung neuronaler Anpassungen im erwachsenen Gehirn darstellen“, so das Fazit der Wissenschaftler.
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