Unterschiedliche Grippe-Wellen in den USA und Europa
New York – Während die Grippe-Welle in Europa erst langsam anschwillt, gibt es in den USA Zeichen einer gesteigerten Morbidität. In New York hat der Gouverneur sogar eine „Notlage“ ausgerufen. In der US-Metropole seien Mitte letzter Woche bereits 19.128 Erkrankungen registriert worden, heißt es in der Pressemitteilung von Gouverneur Cuomo. Im gleichen Zeitraum des letzten Jahres seien es nur 4.404 positive Labortests gewesen. Bis zum 5. Januar seien in New York bereits 2.884 Patienten wegen einer schweren Influenza hospitalisiert worden gegenüber 1.169 im Jahr zuvor.
Dass Cuomo am Wochenende angesichts dieser Zahlen von einer „Notlage“ sprach, hatte absehbar zur Folge, dass ein Run auf die Apotheken nach Impfstoffen einsetzte. Die New York Times berichtete am Montag bereits von ersten Versorgungsengpässen, was nicht verwundert, da zu diesem Zeitpunkt bereits 128 von 135 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden waren, die meisten dürften bereits verimpft worden sein. Etwa ein Drittel der US-Bürger lässt sich alljährlich gegen Grippe impfen.
Ob eine Impfung zum jetzigen Zeitpunkt in den USA noch rechtzeitig käme, ist eine andere Frage. Die jüngsten Zahlen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) deuten an, dass die Grippe-Welle bereits ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Der dominierende Erregertyp in diesem Jahr ist AH3N2. Er ist Bestandteil der diesjährigen saisonalen Vakzine, und die Chancen auf einen Impfschutz stehen gut. AH3N2 ist jedoch für einen schweren Verlauf bekannt, was den Anstieg der Erkrankungszahlen erklären mag.
In Europa setzt die Grippe-Welle in diesem Jahr langsam ein. Die European Centers for Disease Control and Prevention meldeten in der letzten Woche ansteigende Trends aus mehreren Ländern. Die Verteilung der Serotypen ist anders als in den USA. Eine Dominanz von AH3N2 ist nicht erkennbar.
In Deutschland wurde zuletzt das Pandemievirus A(H1N1)pdm09 am häufigsten nachgewiesen. Laut der ECDC werden auch in Europa die meisten Viren bisher vom saisonalen Grippe-Impfstoff erfasst. Einen Grippe-Alarm wie in den USA ist bei den europäischen und deutschen Behörden derzeit nicht erkennbar.
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