Medizin

US-Neurologen: TENS bei chronischem Rückenschmerz unwirksam

  • Montag, 4. Januar 2010

Kansas City – Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist nach Einschätzung von US-Neurologen nicht in der Lage, chronische Rückenschmerzen zu lindern. Eine Expertengruppe gesteht der Methode in Neurology (2009; doi: 10.1212/WNL.0b013e3181c918fc) nur zur Behandlung neuropathischer Schmerzen bei Diabetikern eine gewisse Evidenz zu.

Das Technology Assessment, das eine Arbeitsgruppe der American Academy of Neurology vornahm, bezieht sich auf chronische Schmerzen, definiert als ein Leiden von mindestens drei Monaten Dauer. Die mit Abstand häufigste Schmerzform sind hier Rückenschmerzen, die zu den Anwendungsgebieten der TENS gehören.

Den Patienten werden dabei in der Regel zwei Elektroden auf der Haut in der Nähe der schmerzenden Stellen platziert. Sie geben elektrische Stimuli ab, die nach der Gate Control Theory (Kontrollschrankentheorie) die Schmerzimpulse aus dem Bereich der Lendenwirkelsäule blockieren sollen.

Hierfür werden die Ergebnisse aus zwei Klasse-II-Studien (also prospektiv gesammelte Daten mit retrospektiver Auswertung) angeführt. Deren Ergebnisse würden allerdings durch zwei Klasse-I-Studien (prospektiv, randomisiert, doppelblind kontrolliert) und eine Klasse-II-Studie infrage gestellt, in denen TENS keine schmerzlindernde Wirkung entfaltete, stellt die Gruppe um Richard Dubinsky vom Kansas University Medical Center klar. Für die US-Neurologen resultiert daraus eine Level-1-Einschätzung auf eine Nichtwirksamkeit von TENS.

Bei der diabetischen Neuropathie ist die Wirkung von TENS weniger gut untersucht. Hier gibt es nach Auskunft der US-Experten zwei Klasse-II-Studien, die eine Wirkung wahrscheinlich erscheinen lassen. Die US-Neurologen geben eine Level-2-Empfehlung – versehen mit der Forderung nach weiteren rigorosen Studien zu dieser auch in den USA beliebten naturheilkundlichen Therapie, die in Deutschland nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnungsfähig ist.

rme

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