Ausland

US-Regierung senkt Zahl der für Kinder empfohlenen Impfungen

  • Dienstag, 6. Januar 2026
/JenkoAtaman, stock.adobe.com
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Washington – US-Präsident Donald Trumps Regierung rät künftig zu deutlich weniger Impfungen für Kinder als bislang. Die Impfempfehlung solle nur noch für die elf „schwerwiegendsten und gefährlichsten Krankheiten“ gelten, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.

„Eltern können ihren Kindern weiterhin alle Impfungen verabreichen lassen, falls gewünscht“, schrieb Trump weiter. Die Kosten dafür würden weiter von den Krankenkassen übernommen.

Bis Ende 2024 waren laut Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC noch 17 Immunisierungen für Kinder vorgesehen. Zu den Impfungen, die nun nicht mehr allgemein empfohlen werden, gehören jene für Rotaviren, Hepatitis A, Hepatitis B, RSV-Infektionen, Meningokokken B und Meningokokken ACWY. Das ging aus einer Übersicht der US-Gesundheitsbehörde CDC hervor.

Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. steht Impfungen sehr skeptisch gegenüber. Die Überarbeitung der Impfempfehlungen für Kinder war bereits Anfang Dezember angekündigt worden. Die Empfehlungen sollten dabei mit denen anderer Industrieländer verglichen werden.

Zur Begründung hieß es, mit Impfungen gegen so viele Krankheiten nähmen die USA eine „Sonderstellung“ im Vergleich zu anderen Industrienationen ein. Deutschland sehe Impfungen gegen 15 Krankheiten vor, in Dänemark seien es nur zehn. Tatsächlich listet das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Webseite Impfungen gegen 14 Infektionskrankheiten und Erreger.

Der US-Berufsverband der Kinderärzte (AAP) kritisierte die neuen, eingedampften Impfempfehlungen als „gefährlich und unnötig“. Weiter hieß es: „Die Vereinigten Staaten sind nicht Dänemark, und es gibt keinen Grund, den dänischen Impfplan den amerikanischen Familien aufzuzwingen.“ Die Krankheitsrisiken und Gesundheitssysteme beider Länder würden sich „erheblich“ voneinander unterscheiden.

Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC gestern mitteilte, wurden bei der jüngsten Neubewertung 20 „vergleichbare Industrieländer“ herangezogen. Weiterhin empfiehlt die Behörde nun noch in den USA Impfungen gegen: 

Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumokokken, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Humane Papillomviren (HPV) und Varizellen (Windpocken). Eltern könnten jederzeit mit ihren Kinderärzten über mögliche weitere Impfungen sprechen, hieß es.

Nach Überzeugung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen und - ärzte (BVKJ) handelt es sich um eine Entscheidung, die wissenschaftlich teilweise nicht zu begründen ist.

„Wir beobachten mit großer Sorge, dass politische Entscheidungen zunehmend in medizinische Empfehlungen eingreifen“, sagte BVKJ-Präsident Michael Hubmann. Impfungen dürften nicht nach politischen Mehrheiten bewertet werden, sondern nach evidenzbasierten Kriterien, die über Jahrzehnte hinweg Krankheiten verhindert und Leben gerettet hätten. „Jede Streichung von empfohlenen Impfungen gefährdet die Gesundheit von Kindern sowie die öffentliche Gesundheit insgesamt.“

Der Berufsverband warnt ausdrücklich davor, wissenschaftlich fundierte Impfempfehlungen ohne medizinische Grundlage infrage zu stellen oder zurückzunehmen. „Solche Entscheidungen können weitreichende Folgen haben“, so Hubmann weiter. „Infektionskrankheiten machen nicht an Landesgrenzen halt. Sinkende Impfquoten in einem Land können langfristig auch andere Regionen betreffen – auch Europa und Deutschland.“

dpa/EB

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