Medizin

USA: Staatliches Programm vermindert Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen

  • Montag, 6. Juni 2016

Ann Arbor – Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen (CAUTI) gehören zu den häufigsten (vermeidbaren) Infektionen in Krankenhäusern. Ein landesweites Programm des US-Gesundheitsministeriums hat laut einem Bericht im New England Journal of Medicine (2016; 374: 2111-2119) die CAUTI-Häufigkeit auf Normalstationen um ein Drittel gesenkt. Auf Intensivstationen blieb die Aufklärungsinitiative dagegen ohne Wirkung.

Experten schätzen, dass bis zu 70 Prozent aller CAUTI in Krankenhäusern verhindert werden könnten. Die vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen sind im Prinzip einfach: Vermeide unnötige Katheterisierungen, überprüfe täglich die Notwendigkeit des Katheters und beachte die aseptischen Arbeitsweisen. Diese Regeln, die in Deutschland die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) ausgegeben hat, bilden in den USA die Grundlage für das Comprehensive Unit-based Safety Program (CUSP), das die Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) des Gesundheitsministeriums den Kliniken auferlegt hat.

Sanjay Saint von der University of Michigan und Mitarbeiter haben die ersten Erfahrungen an 603 Kliniken (mehr als ein Zehntel aller US-Kliniken) über einen Zeitraum von 18 Monaten ausgewertet. In dieser Zeit hatte das Personal drei Fortbildungen erhalten. Auf den 553 Normalstationen kam es dadurch zu einem Rückgang der CAUTI um 32 Prozent von 2,28 auf 1,54 Infektionen pro 1.000 Katheter-Tage (Inzidenzrate 0,68, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56-0,82). Ein Grund dürfte auf den Rückgang im Anteil der Patienten mit Harnwegskatheter zurückzuführen sein, der von 20,1 auf 18,8 Prozent zurückging. 

Auf den Intensivstationen erzielte das Programm dagegen keine Wirkung. Hier stieg die Infektionsrate leicht (aber nicht signifikant) von 2,48 auf 2,50 pro 1.000 Katheter-Tage. Der Anteil der Patienten, die einen Harnwegskatheter hatten, ging leicht (ebenfalls nicht signifikant) von 62,8 auf 61,9 Prozent zurück. Warum das Programm auf Intensiv­stationen keine Wirkung erzielte, konnten die Forscher nicht klären.

Harnwegskatheter sind jedoch auf Intensivstationen eine feste Routine. Viele Intensivmediziner halten sie für unverzichtbar, um die Flüssigkeitsbilanz der Patienten zu prüfen oder um jederzeit Harn für rasche Labortests zur Verfügung zu haben. Alternativen zum invasiven Harnwegskatheter, etwa externe Katheter oder Windeln, stoßen auf wenig Akzeptanz.

rme

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung