Ausland

USA: Wieder Diskussion um Sicherheit von COVID-19-Impfung

  • Donnerstag, 13. August 2026
Anthony Fauci (re.) und US-Präsident Donald Trump im Jahr 2020. /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Patrick Semansky
Anthony Fauci (re.) und US-Präsident Donald Trump im Jahr 2020. /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Patrick Semansky
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Berlin – Unterschiedliche Studien mit vielen Tausend Probandinnen haben die Sicherheit von COVID-19-Impfungen für Schwangere gezeigt. Gegenteilige Behauptungen werden jedoch aktuell in den USA und darüber hinaus verbreitet.

Hintergrund sind Nachrichten des US-amerikanischen Immunologen Anthony Fauci vom Jahresbeginn 2021, also kurz nach Einführung der COVID-19-Impfungen. Fauci war damals der medizinische Chefberater von Ex-US-Präsident Joe Biden und Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Teils werden Faucis Äußerungen nun so dargestellt, als habe dieser die Öffentlichkeit entgegen besseren Wissens getäuscht.

Darum geht es: Die Nachrichten Faucis sind zu Wochenbeginn von zwei republikanischen Senatoren in Auszügen veröffentlicht worden. Sie stammen den Angaben zufolge von dessen Diensthandy und sind Teil eines Austauschs mit zwei hochrangigen Kolleginnen, in dem es um die Möglichkeiten beim Impfen von Schwangeren geht, darunter um Fragen wie den geeigneten Zeitpunkt und denkbare Risiken.

Hintergrund: Zum Zeitpunkt des Chats wird diese Impfung noch nicht von der zuständigen US-Behörde CDC für Schwangere empfohlen.

Besonders betonen die beiden Senatoren eine von Faucis damaligen Äußerungen: Der Immunologe teilte den Kolleginnen damals mit, dass er sich etwas umgehört habe und es die Befürchtung gebe, dass die zweite Dosis des Impfstoffs „theoretisch mit einer Fehlgeburt im ersten Trimester in Verbindung stehen“ könnte. Hintergrund sei, dass viele Menschen nach der Zweitimpfung eine überschießende Immunantwort und Fieber entwickelten.

Fauci verweist auf fehlende Daten

Fauci schreibt auch, dass nach seiner Ansicht bei jeder Impfung, zu der noch Daten fehlen, Nutzen und Risiken abgewogen werden müssten. COVID-19 könne gerade in der Schwangerschaft eine ernsthafte Erkrankung sein. Schwangere seien zwar nicht in die ersten Impfstudien eingeschlossen gewesen, aber bei 10.000 bekannten Impfungen von Schwangeren seien keine Probleme bekannt geworden.

Die beiden Senatoren stellten dem Zitat zu den theoretisch möglichen Fehlgeburten mehrere anderslautende Äußerungen von Fauci selbst sowie von anderen Vertretern der US-Gesundheitsbehörden gegenüber, die einen Zeitraum von Februar 2021 bis Februar 2022 abdecken.

Darin wird etwa betont, dass die Behörde FDA bisher keine Warnsignale bezüglich der Impfung Schwangerer festgestellt habe (Februar 2021). Im August 2021 betont Fauci die Sicherheit und beruft sich auf behördliche Überprüfungen von Zehntausenden von Impfungen bei Schwangeren. „Es ist ziemlich klar, dass Schwangere geimpft werden sollten.“

Impfempfehlung für Schwangere kam später

Was die Senatoren nicht angeben, ist die Entwicklung der Datenlage und verbunden damit auch der Impfempfehlungen über die Zeit.

Wegen unzureichender Daten hatte es auch in den USA zunächst keine offizielle Impfempfehlung für Schwangere gegeben, sie konnten sich aber dafür entscheiden, etwa wenn sie als Gesundheitspersonal zu den Gruppen mit besonderem COVID-19-Risiko zählten. So fasst ein Beitrag im JAMA von Februar 2021 (DOI: 10.1001/jama.2021.1683) den damaligen Stand zusammen.

Im August 2021 empfahlen die CDC die Impfung von Schwangeren ausdrücklich, „auf der Grundlage der sich ansammelnden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der COVID-19-Impfung“ (Obstetrics and Gynecology Clinics of North America 2026, DOI: 10.1016/j.ogc.2023.02.003).

CDC betont bis heute Sicherheit der Impfung

Bis heute ist auf der CDC-Webseite zu lesen, dass eine COVID-19-Impfung während der Schwangerschaft nicht mit erhöhten Gesundheitsrisiken für Schwangere oder Babys in Verbindung gebracht worden sei. „Sie trägt dazu bei, das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs zu senken.“ In bisherigen Studien zur COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft seien mehr als eine Million Schwangere aus aller Welt eingeschlossen gewesen, so die CDC weiter.

So wurde unter anderem das Risiko für Fehlgeburten durch die COVID-19-Impfung evaluiert. Eine Fall-Kontroll-Studie, in der 296 Frauen mit spontanen Fehlgeburten 592 Frauen mit Lebendgeburten gegenübergestellt wurden, ergab kein Zusammenhang zwischen Fehlgeburten und der COVID-19-Impfung (Obstetrics & Gynecology 2026, DOI: 10.1097/AOG.0000000000005904).

Weitere Studienergebnisse zeigten ebenfalls, dass die mindestens einmalige Impfung mit einem mRNA-Vakzin das Risiko für spontane Fehlgeburten nicht erhöhte (Vaccine 2026, DOI: 10.1016/j.vaccine.2026.128340). Zugrunde lagen Daten aus einem Register der CDC, das Angaben zu COVID-19-Impfungen während der Schwangerschaft sammelt. Das kumulative Risiko für spontane Fehlgeburten entsprach in etwa dem vor der Pandemie oder lag darunter.

Ebenso konnten Forschende in einer Metaanalyse und einem systematischen Review keine Sicherheitsbedenken für eine COVID-19-Impfung während der Schwangerschaft finden (Vaccine 2023, DOI: 10.1016/j.vaccine.2023.03.038). Das schloss Fehlgeburten ein.

Impfempfehlungen nach der Pandemie angepasst

Seit dem vergangenen Jahr gibt es in den USA keine generelle COVID-19-Impfempfehlung für Schwangere mehr, dies wird inzwischen der individuellen Entscheidung überlassen. Das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) hält jedoch an der Empfehlung zur zur COVID-19-Impfung fest. Wie auch im Bereich der Kinderimpfungen gehen Fachempfehlungen und politischer Rat auseinander.

In den USA hatte es zuletzt immer wieder Schlagzeilen um Fauci gegeben, der dort zu Pandemiezeiten eine der zentralen Figuren im Kampf gegen das Coronavirus war. Er galt als Verfechter eines strengeren Kurses und zog wiederholt Trumps Unmut auf sich. Fauci wurde zum Feindbild von Gegnern von Corona-Maßnahmen und wird immer wieder mit Vertuschungsvorwürfen konfrontiert, die er zurückwies. In den USA stehen in wenigen Monaten die Midterm-Wahlen an.

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (STIKO) erst kürzlich ihre Empfehlungen zur COVID-19-Impfung aktualisiert, da die meisten Erwachsenen heute über „eine durch vielfältige Antigenkontakte geprägte hybride Immunität“ verfügten und dadurch ausreichend gut vor schweren COVID-19-Verläufen geschützt seien (Epidemiologisches Bulletin 2026; DOI: 10.25646/14286.2). „Dies gilt auch für gesunde Schwangere“, so die STIKO.

Die jährliche Auffrischimpfung wird Schwangeren „bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung oder schwangerschaftsassoziierter Komplikationen (z. B. Gestationsdiabetes, Hypertonie) ab dem 2. Trimenon“ empfohlen.

aks/ggr

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