Venöse Beingeschwüre: IQWiG sieht keinen belegten Nutzen für neuromuskuläre Elektrostimulation

Köln – Der Nutzen oder Schaden einer neuromuskulären Elektrostimulation des Nervus peroneus communis bei venösen Beingeschwüren ist unklar. Das geht aus einer neuen vorläufigen Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hervor.
Interessierte können den entsprechenden Vorbericht bis zum 6. Juli kommentieren. Zu den Risikofaktoren eines venösen Beingeschwürs gehören unter anderem eine familiäre Disposition, ein hohes Lebensalter, eine arterielle Hypertonie und ein erhöhter Body-Mass-Index.
Die neuromuskuläre Elektrostimulation des Nervus peroneus communis soll zusätzlich zur Standardtherapie eingesetzt werden und durch die Aktivierung der Muskelpumpe die Durchblutung verbessern sowie die Wundheilung fördern.
Für die Nutzenbewertung fand die IQWiG-Arbeitsgruppe lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie, in der die Elektrostimulation zusätzlich zur Standardversorgung mit der alleinigen Standardversorgung verglichen wurde. Nach Einschätzung des Teams lassen die publizierten Ergebnisse jedoch keine belastbare Bewertung des Nutzens oder Schadens der Methode zu.
Zwar wurden verschiedene patientenrelevante Endpunkte untersucht, darunter vollständiger Wundverschluss, Schmerzen, gesundheitsbezogene Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse. Die dazu veröffentlichten Daten seien jedoch entweder unvollständig, nicht nachvollziehbar oder für einen Vergleich zwischen den Behandlungsgruppen nicht geeignet.
So seien beispielsweise die Angaben zum vollständigen Wundverschluss widersprüchlich. Ergebnisse zu unerwünschten Ereignissen und Wundinfektionen wurden laut dem IQWiG-Team trotz geplanter Erhebung nicht veröffentlicht.
Der Hersteller stellte dem IQWiG nach dessen Angaben keine weiteren bisher unveröffentlichten Studienunterlagen zur Verfügung. Auf Grundlage der verfügbaren Evidenz sieht das IQWiG daher weder einen Anhaltspunkt für einen Nutzen noch für einen Schaden der neuromuskulären Elektrostimulation bei venösen Beingeschwüren. Auch ein Potenzial der Methode ließ sich nach Auffassung des Instituts nicht ableiten.
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