Ärzteschaft

Viele Augenmedikamente in der Schwangerschaft unbedenklich

  • Donnerstag, 10. September 2015

Berlin – Frauen können während ihrer Schwangerschaft und Stillzeit Augenerkran­kungen meist ohne Nachteile für das ungeborene Kind behandeln. „Dies gilt beispiels­weise für eine Infektion mit Herpesviren. Die Therapie mit Aciclovir-Salbe ist unbe­denklich“, erläutert Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Kongress-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ophthalmologie (DOG). „Auch spricht meist nichts gegen lokal angewendete Antihistaminika, um eine allergische Bindehautentzündung während der Schwangerschaft zu kurieren“, so der ärztliche Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen.

Sei ein Antibiotikum nötig, um eine bakterielle Entzündung in den Griff zu bekommen, könnten Betroffene auf Salben mit den Substanzklassen Fluoroquinolone oder Aminoglykoside zurückgreifen. Als Tabletten sollten sie allerdings Präparate aus der Wirkstoffgruppe der Penicilline oder Cephalosporine bevorzugen. „Aber auch diese Antibiotika können in Tablettenform in der Stillzeit vorübergehend zur Veränderungen der kindlichen Stuhlflora führen, mit der Folge einer Stuhlverdünnung“, erläutert der DOG-Experte Thomas Neß, Leiter des Schwerpunktes Uveitis an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn eine werdende Mutter unter Diabetes Typ 1 leidet. „Die diabetesbedingte Netzhauterkrankung ist die häufigste Augenerkrankung in der Schwangerschaft. Sie kann sich in den neun Monaten massiv verschlechtern“, berichtet Neß. Deshalb sei eine konsequente Behandlung der diabetischen Retinopathie vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft wichtig, ferner eine Kontrolle der Augen mindestens alle drei Monate.

Entwarnung geben die Augenärzte für plötzlich auftretende oder sich verstärkende Kurzsichtigkeit, die oft Besorgnis auslöst und zu Besuchen in den Klinikambulanzen führt. „Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich die Brillenstärke“, sagt Neß. Noch häufiger seien Kontaktlinsen-Unverträglichkeiten. „Das ist bei bis zu dreißig Prozent der Schwangeren der Fall“, so der DOG-Experte. Ursache sei vermutlich eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sowie eine Zunahme der Dicke von Hornhaut und Linse. „Beide Phänomene bilden sich nach der Geburt aber meist wieder zurück“, berichtet Neß.

hil

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