Virologen warnen vor Unterversorgung mit Impfstoffen
Ulm – Vor einer Unterversorgung mit Impfstoffen in Deutschland hat die Gesellschaft für Virologie (GfV) gewarnt. Immer wieder knapp seien Vakzine gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie Tollwut, Gelbfieber, Grippe, Typhus oder Cholera. „Schuld daran sind die Monopolisierung der Hersteller, die Globalisierung der Impfstoffmärkte und die Rabattvertragspolitik der gesetzlichen Krankenkassen“, kritisiert die Fachgesellschaft. Das ohnehin zu geringe Forschungsinteresse der Unternehmen nehme so noch weiter ab.
Die GfV hat in einer Stellungnahme Forderungen an die Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern gestellt: Die zuständige Bundesoberbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, sollte danach Lieferengpässe systematisch erfassen. Rabattverträge sollten abgeschafft werden, so dass Ärzte und Patienten wieder frei zwischen Impfstoffen wählen könnten. „Stattdessen müssen in Deutschland neue Methoden der Kostenkontrolle eingeführt werden“, sagte Thomas Mertens, Präsident der GfV.
Die Forschung benötige Anreize, neue Impfstoffe zu entwickeln und die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe zu vergleichen. „Dafür wäre mehr finanzielle Unterstützung nötig, aber auch zusätzliche Förderinstrumente etwa des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) oder der EU würden helfen“, sagte der GfV-Vizepräsident Hartmut Hengel.
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