Medizin

Vitamin D bei Gonarthrose ohne Vorteile

  • Donnerstag, 10. März 2016
Uploaded: 10.03.2016 16:05:46 by mis
dpa

Hobart – Obwohl ein Vitamin D-Mangel ein Risikofaktor für einen Knorpelverlust im Kniegelenk ist und Menschen mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln eher an einer Gonarthrose erkranken, hat sich eine Vitamin D-Behandlung in einer randomisierten klinischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 1005-1013) als wirkungslos erwiesen.

Etwa 10 Prozent aller Männer und 13 Prozent aller Frauen über 60 Jahre leider unter einer Gonarthrose, für die es momentan keine krankheitsmodifizierenden Medikamente gibt. Die Idee einer Vitamin D-Therapie gründet sich auf Beobachtungsstudien, in denen ältere Menschen mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln häufiger unter Knieschmerzen litten und bei denen eine Verschmälerung des Gelenkspalts im Röntgenbild auf einen Knorpelrückgang hindeutete. Da Vitamin D nachweisbar in den Knorpelstoffwechsel eingreift, erschien eine Behandlung auch aus biologischen Gründen sinnvoll.

Dies alles garantiert allerdings keinen Therapieerfolg, wie ein Team um Changhai Ding von der Universität von Tasmanien in Hobart jetzt feststellen musste. An der Video-Studie (für: „VItamin D Effect on Osteoarthritis“) hatten 413 Patienten im Aller von 50 bis 79 Jahren teilgenommen. Sie litten an einer symptomatischen Gonarthrose und ihre Vitamin D-Spiegel waren auf 12,5 bis 60 nmol/l abgefallen. Die Patienten wurden über zwei Jahre monatlich mit einem Vitamin D3 (50.000 IE per os) oder einem identischen Placebo behandelt. Primärer Endpunkt waren das tibeale Knorpelvolumen und eine etwaige Verbesserung im WOMAC-Scrore, der Schmerz- und Funktionseinschränkung erfragt.

Wie Ding jetzt mitteilen muss, war die Vitamin D-Behandlung in keinem der beiden primären Endpunkte überlegen. Auch auf die Größe der Knorpeldefekte am Kniegelenk und auf die Ausdehnung der benachbarten Knochenmarkläsionen hatte die Therapie keinen Einfluss, obwohl sie bei 79 Prozent der Patienten den Vitamin D-Spiegel in den Normalbereich anhob.

Ob höhere Dosierungen eine Wirkung erzielt hätten, bleibt offen. Diese wären wegen der damit verbundenen Hyperkalziämie mit systemischen Komplikationen verbunden, die einen Einsatz zur Behandlung einer Kniearthrose vermutlich nicht rechtfertigen würden, zumal mit dem Gelenkaustausch eine für den Stoffwechsel unbedenkliche Alternative zur Verfügung steht.

rme

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