Wahl von Trump stresste Nachwuchsärzte in den USA
Die angehende Generation von US-Ärzten ist politisch interessierter als weithin angenommen. Obwohl sie im ersten Ausbildungsjahr durch eine 80-Stunden-Woche und häufige Nachtschichten eigentlich andere Sorgen haben, haben sich viele ein Gespür für das bewahrt, was um sie herum passiert.
Eine Analyse der Intern Health Study, die die prekäre Gefühlslage der Berufsneulinge untersuchen soll, zeigt, dass für viele die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen im November 2016 und die Amtseinführung von Donald Trump im Januar darauf ein Schock war, der sie ebenso stark belastete wie die ersten Wochen ihrer eigenverantwortlichen beruflichen Tätigkeit.
Die Intern Health Study hat in den Jahren 2016 bis 2018 eine Stichprobe von 2.345 Ärzten im ersten Berufsjahr täglich nach ihrem psychischen Befinden gefragt. Auf einer App konnten sie den Tag mit 1 bis 10 Punkten bewerten.
In der Woche nach der Wahl ging die Stimmung der Nachwuchsärzte um 0,32 Punkte zurück, laut Srijan Sen von der Universität von Michigan in Ann Arbor, ebenso stark wie im Juli in den ersten Wochen als „Intern“, die wegen des hohen Arbeitsvolumens und der neuen Verantwortung die meisten Mediziner psychisch stark belasten (Die Tagesstimmung sank damals um 0,30 Punkte).
Den zweiten Schock erlebten die Ärzte nach der Amtseinführung im Januar (minus 0,25 Punkte). Das Reiseverbot für Menschen aus sechs muslimischen Ländern, eine der ersten (frustranen, aber frustrierenden) Amtshandlungen, sorgte dann erneut für einen Stimmungsdämpfer (minus 0,21 Punkte). Positiv registriert wurde später die Ablehnung eines Gesetzes zur Finanzierung einer Mauer an der Grenze nach Mexiko (plus 0,16 Punkte).
Kein nichtpolitisches Ereignis bewegte die Jungärzte in ähnlicher Weise. Weder der Super Bowl, noch die erste totale Sonnenfinsternis seit 1918 noch der Hurrikan Irma oder die Amokläufe in Las Vegas und in einer High School in Florida waren mit signifikanten Veränderungen der Stimmungslage verbunden. Auch die Hochzeit eines britischen Royals mit einer ehemaligen Schauspielerin aus Kalifornien ließen die Ärzte kalt.
Bei allem Mitgefühl bewertet Sen die Ergebnisse insgesamt positiv. Sie zeigen, dass die angehende Ärztegeneration sich mehr für Politik interessiert. Er selbst habe während seiner Zeit als „Intern“ den Hurricane Katrina, der die Einwohnerzahl von New Orleans dezimierte, erst Wochen später zur Kenntnis genommen, gab Sen zu.
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