Warum der medizinische Nobelpreis wieder in die USA geht
Zum wiederholten Male hat ein US-Amerikaner den medizinischen Nobelpreis gewonnen und zum wiederholten Male haben die US-Medizin und die US-Forschung bewiesen, dass sie höchstes Niveau besitzen. Sie sind weltweit führend auf sehr vielen Gebieten, die Medizin zählt hierzu.
Als Arzt spürt man das allenthalben: So hat in meinem Krankenhaus z.B. das deutlich teurere, aber auch etwas effektivere Prasugrel das Clopidogrel zunehmend ersetzt, Dabigatran tritt immer öfters an die Stelle des Vitamin-K-Antagonisten und neue robotorassistierte Operationen sind längst Alltag in hiesigen OP-Sälen. Man spürt die Präsenz der Forschung und die dauerhafte Rückkopplungsmechanismen in den klinischen Alltag.
Doch wieso ist die US-Medizin so erstklassig? Wieso gehen so viele Nobelpreise an US-Amerikaner? Einige Vermutungen, die ich gerne zur Diskussion stellen will:
Erstens, weil das medizinische System sehr technologiefreudig ist und Innovationen zügig eingeführt werden. Ein PET-CT ist nun einmal besser als simple CT-Tumordiagnostik. Mein iPhone als Piepser ist zuverlässiger als ein klassischer Piepser.
Zweitens, weil die Verzahnung Forschung und klinische Medizin eine sehr intensive ist: Andauernd werden wir im Krankenhaus angesprochen, Forschung zu betreiben, und es werden uns Forschungsprojekte nahezu aufgedrängt. Wöchentliche evidenzbasierte Konferenzen und stetige Qualitätsverbesserungsschulungen sind weitere Aspekte, uns Ärzte auf dem Laufenden zu halten.
Drittens, weil die US-Medizin eine hohe Anziehungskraft international besitzt, immigrieren überdurchsschnittlich hart arbeitende und/oder begabte Ärzte und Forscher in die USA. Dort erhalten sie eine sehr gute Entlohnung bei zumeist niedrigeren Steuersätzen und sehr gutem Forschungs- und Arbeitsumfeld. Beruflich wie auch finanziell geht es mir z.B. deutlich besser als in der EU.
Viertens, weil die US-Gesellschaft bereit ist einen großen BIP-Anteil in die Medizin zu investieren, kann man mehr Ressourcen hierfür einsetzen.
Wenn dann dieses Jahr bei der Nobelpreisverleihung – erneut – vor allem Englisch, vor allem mit amerikanischem Dialekt, gesprochen und gehört wird, dann wird niemand überrascht sein. USA ist weiterhin Weltklasse, eben auch im medizinischen Bereich.
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