WHO: Mehr Frühgeburten bei Hitze, Behörden sollen vorsorgen

Genf – Extreme Hitze ist für Schwangere und Babys eine besondere Belastung. Das Risiko einer Frühgeburt steige deutlich, wenn die werdende Mutter Hitzewellen ausgesetzt ist, heißt es in einem UN-Bericht.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zitiert eine Studie von 2024 in der Fachzeitschrift Nature (2024, DOI: 10.1038/s41591-024-03395-8), die ein bis zu 26 Prozent höheres Risiko nennt. Nach dieser Studie ist auch die Gefahr einer Totgeburt höher, wenn eine Schwangere extreme Hitze ertragen muss, ebenso die Gefahr einer angeborenen Fehlbildung beim Baby und von Schwangerschaftsdiabetes.
„Hitze betrifft bereits unsere verletzlichsten Bevölkerungsgruppen, darunter Schwangere, Neugeborene und Kinder. Aber worüber Gesundheitssysteme keine Daten erheben, können sie auch nicht darauf reagieren“, sagte Pascale Allotey, Direktorin der WHO-Abteilung für sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie Gesundheit von Müttern, Kindern und Jugendlichen und gesundes Altern, laut WHO-Mitteilung.
Indem Länder Folgen wie Frühgeburten, Todesfälle und Erkrankungen bei Kindern sowie Besuche in Gesundheitseinrichtungen zusammen mit der Hitzeexposition erfassten, könnten sie mögliche Auswirkungen erkennen und Maßnahmen ergreifen, um Frauen und Kinder zu schützen.
Daten für die neue Realität
Babys unter einem Jahr hätten 2024 knapp fünfmal so viele Hitzewellentage erlebt wie im Zeitraum 1986 bis 2005. „Weltweit sind schätzungsweise 1,5 Milliarden Kinder Hitzewellen ausgesetzt, die immer häufiger auftreten, länger andauern oder an Intensität zunehmen“, heißt es in dem Bericht.
Auch Bruce Gordon, kommissarischer Direktor der WHO-Abteilung für Umwelt, Klimawandel, One Health und Migration, mahnte mehr Vorsorge an. „Während sich unsere Welt weiter aufheizt, entstehen neue Gesundheitsrisiken, und ältere Menschen, Schwangere, Neugeborene und Kinder gehören zu denjenigen, die ihnen am wenigsten entkommen können“, so Gordon laut Mitteilung.
„Unsere Gesundheitssysteme brauchen Daten, um diese Realität zu erkennen und zu handeln – vom Schutz der Menschen während Hitzewellen bis zur Verankerung von Klimarisiken in den alltäglichen Gesundheitsdiensten.“
Was genau als Hitze gilt, hängt jeweils vom Ort ab. Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) gibt es eine Hitzewarnung, wenn eine gefühlte Temperatur an mindestens zwei aufeinander folgenden Tagen von 32 bis 38 Grad vorhergesagt wurde und es nachts nur zu einer unzureichenden Abkühlung kommt oder wenn 38 Grad oder mehr erwartet werden. Die gefühlte Temperatur wird per Modell berechnet. Sie ist in der Sonne und bei hohem Wasserdampfgehalt in der Luft oft höher als die Lufttemperatur.
Schwangere sollen nach allgemeinen Empfehlungen der WHO bei Hitze besonders viel trinken, bei Bedarf Nacken und Füße mit feuchten Tüchern kühlen und Aktivitäten möglichst in die kühleren Tageszeiten verlegen.
Was Behörden tun sollen
Gesundheitsbehörden sollten Frühwarnpläne haben und Familien stärker auf die Gefahren aufmerksam machen, heißt es in dem Bericht. Sie sollten sich darauf einstellen, wegen der steigenden Hitzetage mehr Schwangere und Babys zu behandeln. Dazu müssten überall mehr Daten erhoben werden, damit Behörden genau sehen, welche Risiken in welchem Ausmaß steigen.
Die WHO hat dazu gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Unicef und dem UN-Bevölkerungsfonds UNFPA erstmals einen Satz vorrangiger Indikatoren vorgestellt, mit denen Länder die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze für Schwangere, Neugeborene und Kinder systematisch erfassen sollen.
Sie sollten in Phasen mit extremer Hitze etwa besonderes Augenmerk legen auf Frühgeburten, Totgeburten, niedriges Geburtsgewicht, neu auftretenden Bluthochdruck in der Schwangerschaft, Kindersterblichkeit und Besuche in Gesundheitseinrichtungen. Auch die Beobachtung der Schulbesuche könne zeigen, wie stark Hitze den Alltag von Kindern beeinträchtigt, heißt es in der WHO-Mitteilung.
Nach WHO-Angaben können Routinedaten aus dem Gesundheitswesen und Daten zur Hitzeexposition – etwa zur Lufttemperatur – helfen, ungewöhnliche Entwicklungen in Phasen extremer Hitze zu erkennen, genauer zu untersuchen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.
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