WHO zur Klimakrise: Bewährte Maßnahmen könnten Millionen Leben retten

Genf – Erprobte Maßnahmen gegen und zur Anpassung an den Klimawandel könnten nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig jährlich etwa 1,6 Millionen Todesfälle verhindern.
Dafür wären der UN-Behörde zufolge weltweit unter anderem Hitzewarnsysteme, eine klimawandelresistentere Wasser- und Abwasserinfrastruktur, der Umstieg auf saubere Haushaltsenergie und eine strengere Steuerpolitik für fossile Brennstoffe nötig.
„Maßnahmen gegen den Klimawandel sind mittlerweile eine Frage von Leben und Tod“, wird WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zitiert. Bei der Berechnung der Todesfälle wurden nicht nur die Auswirkungen von Treibhausgasemissionen berücksichtigt, sondern auch Effekte wie Luftverschmutzung und Infektionskrankheiten.
Die vorgeschlagenen Schritte hätten zudem massive wirtschaftliche Vorteile, hieß es. Die weltweite Abschaffung von Subventionen für fossile Energieträger und die angemessene Besteuerung von Öl, Gas und Kohle würden nach Berechnungen der WHO jährlich 5,44 Billionen Dollar (4,86 Billionen Euro) in die Staatskassen spülen.
Die steuerbedingte Vermeidung von CO2-intensiver Energie würde demnach weitere positive Effekte von drei Billionen Dollar erzeugen, etwa durch geringere Gesundheits- und Umweltschäden.
Globale Investitionen in Hitzewarnsysteme, in Wasseranlagen und in die Abkehr von ungesunden Holz- und Kohleöfen würden laut WHO zusätzliche wirtschaftliche Vorteile bringen: Die UN-Organisation geht unter dem Strich von rund 844 Milliarden Dollar pro Jahr aus. Die jährlichen Kosten für die Maßnahmen wurden auf 35 Milliarden Dollar geschätzt.
Was der Klimawandel mit Trinkwasser, Toiletten und Handhygiene zu tun hat, erklärte der WHO-Experte Frank Pega so: „Wir müssen von vornherein anerkennen, dass die sanitäre Grundversorgung äußerst anfällig für klimabedingte Gefahren ist“, sagte der Gesundheitsökonom.
Er wies auf das steigende Risiko von Überschwemmungen, Stürmen oder Trockenheit hin. Durch die Stärkung der Infrastruktur könnten Krankheiten wie Durchfall oder Lungenentzündung reduziert werden, sagte er.
Während die WHO mehr Investitionen in diesen Bereichen fordert, ist aus Sicht der deutschen Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann ein radikales Umdenken im Gesundheitssystem nötig. Mehr Prävention sei nötig, sagte sie.
Nach einer Studie des Forschungsinstituts Prognos kostet ein einziger Tag mit Temperaturen über 30 Grad die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro, 97 Prozent davon dadurch, dass die Menschen weniger produktiv sind. Deshalb seien dringend Anpassungen für kühlere Umgebungen bei Arbeitsplätzen und im privaten Bereich nötig, sagte Traidl-Hoffmann.
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